ÖGJ

"Politisches Engagement und Hartnäckigkeit zahlen sich aus"

Stefan Bartl, Bundesjugendsekretär der ÖGJ, spricht im Speeddate über die Abschaffung der Internatskosten für Lehrlinge

hallo! hat Stefan Bartl, Bundesjugendsekretär der Österreichischen Gewerkschaftsjugend zum Speeddate getroffen und über die Abschaffung der Internatskosten für Lehrlinge gesprochen. Eine Forderung, die nach mehr als 30 Jahren umgesetzt wurde.

Das Interview führt Barbara Kasper

"Warum ist die Abschaffung der Internatskosten so ein großer Erfolg für die Gewerkschaftsjugend?"

"Da die Internatskosten hauptsächlich in Berufen angefallen sind, die schlechter verdienen und zumeist überwiegend von Frauen ausgewählt werden. Es war uns ein besonderes Anliegen, hier etwas zu unternehmen, weil diese Kosten eine enorme Belastung für Lehrlinge waren. Alles in allem ein sozialpolitischer Meilenstein im Ausbildungssystem."

"Wer ist davon genau betroffen, wem kommt es zugute?"

"Einerseits alle Lehrlinge – egal in welchem Betrieb, die Internatskosten müssen künftig vom Arbeitgeber getragen werden. Andererseits jedoch auch die Ausbildungsbetriebe, denn jenen, die bis dato schon die Internatskosten übernommen haben, werden diese jetzt ersetzt. Ein Betrieb mit zehn Lehrlingen profitiert mit 10.000 € pro Jahr! Um dieses Geld könnten wiederum 1–2 Lehrlinge eingestellt werden."

"Warum war es genau jetzt nach so vielen Jahren möglich, die Forderung umzusetzen?"

"Es war eine Kombination aus geschickten politischen Verhandlungen und Druck von der Straße und den Betrieben. Dass SPÖ-Sozialminister Stöger – ehemaliger Lehrling – zum Start der Internatskosten-Kampagne unsere Forderung unterstützte, war der politische Grundpfeiler. Nachdem mehr als 1/5 aller Lehrlinge in nur fünf Wochen unterschrieben haben, konnte die Politik das Anliegen nicht mehr ignorieren. Politisches Engagement und Hartnäckigkeit zahlen sich also aus."

"Habt ihr Rückmeldungen von Lehrlingen bekommen?"

"Sehr viele sogar. Ein sehr bewegender Moment war, als uns eine alleinerziehende Mutter, die Lehrling ist, erzählt hat, dass die Internatskosten für sie und ihren Freund, ebenfalls Lehrling, eine enorme Belastung waren. Man stelle sich vor, man hat ein Kind und muss dann 2.000 € pro Jahr für seine Ausbildung an einen Internatsbetreiber überweisen. Das ist ein untragbarer Zustand, den wir hier beseitigt haben."

"Wie schwierig war es, mehr als 21.000 Unterschriften zu sammeln?"

"In Wirklichkeit gab es kaum jemand, der nicht unterschreiben wollte. Das Sammeln war ein Selbstläufer, die zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen dazu waren aber für alle in der Gewerkschaftsjugend eine Herausforderung."

"Ab wann genau werden die Internatskosten ersetzt?"

"Unser Informationsstand ist, dass ab dem ersten Lehrgang des Jahres 2018 übernommen wird. Wir warten dazu jedoch noch die Ministerverordnung ab, in der die genaue Vorgehensweise beschrieben wird."

"Was nimmt die Gewerkschaftsjugend als nächstes in Angriff?"

"Wir müssen uns mit Blick auf die zukünftige Regierung schon jetzt gegen Angriffe auf ArbeitnehmerInnen einstellen und diese abwehren. Die Pflichtmitgliedschaft in der AK müssen wir verteidigen. Und in der Berufsausbildung gibt es einiges zu modernisieren, z. B. die Qualitätsüberprüfung. Wir haben dazu die passenden Konzepte."

wordrap

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