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ÖGJ

Österreichische Zeitreise

Zahlreiche historische Ereignisse feiern einen runden Jahrestag.

2018 wird in Österreich als „Erinnerungs- und Gedenkjahr“ begangen. Ein rasanter Überblick zum Gedenkjahr 2018.

von Christian Resei

Die erste Republik wird 100 Jahre alt. Mehr als 100.000 ÖsterreicherInnen erlebten die Geburtsstunde der Demokratie und waren Zeugen, als am 12. November 1918 um 15 Uhr – und in nasskaltem Regen – die erste Republik von der Parlamentsrampe aus verkündet wurde. Der Kaiser trat zurück und hatte keine Funktion mehr. Karl Renner wurde zum ersten Staatskanzler und damit Staatsoberhaupt berufen. Vorerst noch „Deutschösterreich“, wurde die „Republik Österreich“ mit dem Friedensvertrag von Saint-Germain am 10. September 1919 Wirklichkeit. (www.oesterreich100.at).

Statt einer Monarchie war Österreich eine Republik: Parlamentarismus, Gewaltenteilung und das allgemeine Wahlrecht wurden in der Verfassung verankert. Damit konnten erstmals in Österreich Frauen und Männer auf allen Ebenen wählen. Seit 1907 galt ein Männerwahlrecht – Frauen durften überhaupt nicht wählen – für den Reichsrat, doch im Landtag und in den Kommunen herrschte immer noch ein Kurienwahlrecht (die Wähler in den vier Kurien wurden nach Stand und Vermögen bestimmt).

Niemals wieder! 80 Jahre „Anschluss“.
Doch die erste Republik war politisch umstritten. Einer schwierigen Zeit folgte 1934 der Bürgerkrieg. Unter Bundeskanzler Dollfuß wurde die gesamte politische Opposition ausgeschaltet, eine „Kanzlerdiktatur“ errichtet und der sogenannte „Ständestaat“ begründet – das Land erhielt den Namen „Bundesstaat Österreich“. Im Juli misslang ein Putsch österreichischer Nationalsozialisten, die Dollfuß erschossen – ihm folgte Kurt Schuschnigg. Er willigte am 11. März 1938 in Deutschlands drohende Forderungen, „Österreich ins Großdeutsche Reich heimzuholen“ ein und trat zurück – sein Nachfolger wurde der Nationalsozialist Seyß-Inquart. Am 12. März 1938 marschierte die deutsche Wehrmacht in Österreich ein und wurde von großen Teilen der Bevölkerung jubelnd begrüßt.

Wiedervereinigung.
Nach vollzogenem „Anschluss“ – gleichbedeutend mit der deutschen Besetzung durch 65.000 Soldaten – wurde die Nazi-Ideologie in Österreich innerhalb weniger Wochen umgesetzt (DÖW, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, www.doew.at). Das „Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ wurde am 13. März beschlossen, damit hörte Österreich als eigenständiger Staat auf zu existieren. Am 10. April 1938 stimmten in der bloßen Inszenierung einer „Volksabstimmung über die Eingliederung ins Deutsche Reich“, die weder frei noch geheim war, 99,73 Prozent mit „Ja“. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 kam es zum angeblich spontanen Novemberpogrom mit u. a. der Zerstörung von Synagogen, Plünderungen, Verhaftungen und Misshandlungen wie Ermordungen von Jüdinnen und Juden. Der stark verharmlosende und nicht mehr gebräuchliche Begriff „Reichskristallnacht“ bezog sich auf die angeblich wie „Kristalle“ schimmernden Scherben der zerschlagenen Fenster und Auslagen.

Memento Wien.
Zum Gedenkjahr bietet das DÖW etwa sein Projekt „Memento Wien“: Das Schicksal der in Wien wohnhaften NS-Opfer wird mobil (Smartphones, Tablets) zugänglich gemacht. Beginnend mit der Inneren Stadt, sollen alle Bezirke folgen (www.memento.wien). Die Herrschaft der Nazis führte zum bisher grausamsten Krieg, dem 2. Weltkrieg, und dem Holocaust. Schätzungen gehen von bis zu 80 Millionen Toten aus.

70 Jahre Menschenrechte.
Nicht zuletzt aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs heraus, wurde am 10. Dezember 1948 in Paris die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) verkündet. Sie wird auch als „Deklaration der Menschenrechte“ oder „UN-Menschenrechtscharta“ bezeichnet, besteht aus 30 Artikeln und wurde in rund 460 Sprachen übersetzt. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, heißt es zu Beginn. Der Grundgedanke: Alle Menschen haben die gleichen Rechte, ohne Unterschied durch Hautfarbe, Rasse, Religion, Geschlecht oder Sprache etc. Organisationen wie OSZE, UNO und auch die jeweiligen Parlamente wirken an der Durchsetzung der Menschenrechte mit (www.menschenrechtserklaerung.de). Allerdings handelt es sich um „unverbindliche Empfehlungen“ der UN, die Menschenrechte sind kein völkerrechtlicher Vertrag.

Revolution: 50 Jahre weniger Gehorsam.
Menschenrechte führten auch zu kritischem Hinterfragen. „Unter den Talaren – Muff von 1.000 Jahren“ stand im November 1967 auf einem Studenten-Transparent in Hamburg – diese Zeile (als Anspielung auf das 1.000-jährige Reich und die nicht vollzogene Geschichtsaufarbeitung) wurde zu einer wichtigen Parole der Studentenbewegung von 1968. Vor allem in Deutschland, Frankreich und den USA wurde gegen Autoritäten aufbegehrt und die hierarchisch geordnete Lebensweise in Frage gestellt. Im Mai 1968 legten Demonstrationen das öffentliche Leben in Paris lahm, in Deutschland galt Rudi Dutschke als Wortführer der Studentenbewegung in West-Berlin. Die Proteste richteten sich besonders gegen den Vietnamkrieg und die Springer Presse. Die 68er-Bewegung prägte einen neuen (oft antiautoritären) Lebensstil. In dieser Zeit gab es in Österreich jedoch noch wenig politischen Protest, allerdings fand am 7. Juni 1968 im Hörsaal 1 des NIG der Uni Wien die Aktion „Kunst und Revolution“ statt. Bekannt wurde der Abend als „Uni-Ferkelei“. Die Auswirkungen der 1968er-Bewegung zeigten sich später vor allem in der Arena-Besetzung von 1976 und der Besetzung der Hainburger Au im Dezember 1984 (www.protestwanderweg.at).

Weshalb Gedenken lohnt.
Gedenken heißt nicht nur, sich zu erinnern, sondern auch einen neuen Blick auf das Ereignis zu werfen. Die Geschichte ist keine exakte Wissenschaft, sie unterliegt einem ständigen Wandel. Jede Generation schreibt ihre Geschichte neu, indem sie scheinbar unumstößliche Wahrheiten verwirft und neue Sichtweisen auf die Vergangenheit entwickelt. Österreich sah sich lange als erstes Opfer der Nazis, ein Umdenken begann erst rund 50 Jahre nach Kriegsende. Die Historikerin Heidemarie Uhl erklärt den Sinn von Gedenkfeiern wie folgt: „Ihre Funktion hat sich erst 1988 – zum 50. Jahrestag des ‚Anschlusses‘ – herauskristallisiert. Die historischen Fakten sind bereits bekannt, aber in den Jubiläumsjahren werden sie gesamtgesellschaftlich neu diskutiert. Interessant ist, wie sich der Zugang zur Vergangenheit verändert, welche Aspekte betont werden und welche nicht. Das wird auch 2018 nicht anders sein, wobei wir einiges Neues erwarten dürfen.“

Wie Wichtig ist das Gedenkjahr für dich?

  • Giorgina, 21, Großhandelskauffrau: Es ist generell immer gut, wenn man sich an die Sachen erinnert, die passiert sind. Es ist wichtig, die Fehler, die damals begangen wurden, nicht zu wiederholen.
  • Leonhard, 20, Lehrling Gastronomie: Ich will über die Geschichte Österreichs Bescheid wissen. Deswegen werde ich heuer einige Ausstellungen und Veranstaltungen besuchen.
  • Paul, 17, Schüler: Geschichte ist ein wichtiger Teil von Österreich und man kann daraus lernen. Besonders die Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkriegs – der Übergang von der Monarchie zur Republik – ist sehr spannend.
  • Johanna, 18, Schülerin: Ich interessiere mich für das Gedenkjahr, und ich will auch in Ausstellungen gehen. Viele Menschen in Österreich vergessen was passiert ist und denken, dass sie die Zeit zurückdrehen können.

2018

Ausstellungen und Feiern werden 2018 in ganz Österreich abgehalten. Einen Überblick über 100 Jahre Republik bietet etwa www.1918-2018.at

Im November soll auch das „Haus der Geschichte“ eröffnet werden.Info: www.hdgoe.at

Eine multimediale Plattform entsteht auf https://www.media thek.at/gedenkjahr-2018

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