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Meine Wohnung, mein Lebensmittelpunkt, meine Regeln!

Das erste Mal alleine zu wohnen macht unabhängig, glücklich und manchmal auch Angst.

Mit den eigenen vier Wänden geht meist ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Mit der gewonnenen Freiheit steigt die Verantwortung, denn der Alltag muss gemeistert werden. Drei junge Menschen (Namen v. d. Red. geändert) erzählen, wie sie zurechtkommen, über Kühlschränke und ihre erste Nacht im eigenen Heim.

von Roderick Schön-Szavai

In der Küche stapelt sich schmutziges Geschirr. Lara entschuldigt sich. „Gestern waren Freundinnen hier und es wurde spät.“ Wann die 19-Jährige aufgestanden ist, verrät sie nicht: „Meine Mutter hätte gesagt, zu einer unchristlichen Zeit.“ Seit einem halben Jahr wohnt die ausgelernte Friseurin in ihrer Genossenschaftswohnung, für die sie seit dem Beginn ihrer Lehre Geld zur Seite legte.

Auf ins echte Leben?

Keine Eile hatte der gleichaltrige Student Alex: „Ich bin zufällig ausgezogen. Für die fast leere Zweit­wohnung meines Opas hatte niemand Verwendung.“ Nach längerem Zögern hat er sich für die Wohnung entschieden. „Das große Kontra war die Selbstständigkeit. Eine WG mit geteilter Arbeit würde mir vielleicht mehr liegen.“

Ohne Wurzeln.

Nur ein Jahr älter ist Max, der seit seiner Kindheit von seiner Familie getrennt lebt. „Mit neun Jahren kam ich in eine betreute WG für Kinder und Jugendliche. Die anderen Optionen wären schlechter gewesen.“ Mit knapp 16 begann er eine Lehre. „Ich musste damals aus dem Fenster springen, wenn ich früh Dienst hatte, da die Türe über Nacht immer zugesperrt war“, also zog Max von der WG in seine erste Wohnung.

Die erste Nacht.

„Die erste Nacht war eine schöne Abwechslung, so ohne schreiende Kinder“, erzählt er. Auch Lara erinnert sich gerne. „Ich war komplett fertig vom Umzug. Geschlafen habe ich auf der Matratze am Boden und umringt von Kartons. Bequem war es nicht, aber das Aufwachen im eigenen Chaos war sensationell schön.“ Auch Alex schlief am Boden, aber ohne Matratze. „Ich war unterwegs und wollte den langen Weg nach Hause vermeiden. Angenehm war’s nicht“, erzählt er mit einem Lächeln, „weil in der leeren Wohnung Strom und Gas fehlten.“

Verträge überprüfen lassen.

Vorher muss eine Menge Papier­kram erledigt werden. Jede Art zu wohnen hat einen Vertrag zur Grundlage, der geprüft werden sollte. Lara erledigte das über ihre Tante: „Ich habe das Glück, dass sie Juristin ist und sich gut auskennt.“ Alex konnte sich auf seinen Vater verlassen, der als Bürge im Mietvertrag steht. „Ich habe nur einen geringfügigen Job, also bestand der Vermieter darauf.“ Ganz anders ist die Situation von Max: „Für die erste Wohnung musste ich mich um nichts kümmern, aber vor kurzem bin ich nach Wien gezogen. Ich habe keine Ahnung, vertraue aber darauf, dass ich nicht über den Tisch gezogen werde.“

So viel zu tun!

Heizung, Strom und Internet müssen organisiert werden. Vieles davon kann online erledigt werden. „Aber vorher ist ein Blick auf Vergleichsportale gut. So kann viel Geld gespart werden“, sagt Lara, die sich gründlich informierte. Was auf keinen Fall fehlen sollte, ist eine Haushaltsversicherung, die zum Beispiel Schäden bei austretendem Leitungswasser abdeckt. Grundsätzlich deckt die Haushaltsversicherung Schäden, die an beweglichen Gegenständen wie Teppichen, Möbeln oder Geräten in den eigenen vier Wänden entstehen.

Einrichten.

Deutliche Unter­schiede machen die drei bei ihrer Einrichtung. Alex plünderte den Sparstrumpf und kaufte groß ein. „Das Hochbett und der neue Kasten passen einfach besser“, meint er. Max wiederum bezog eine zum Teil möblierte Wohnung. Das einzig schwere war die alte Waschmaschine. „Die war schon heftig, weil ich Nudel-Arme habe.“ Lara ergänzt hingegen nach und nach die zusammengewürfelte Einrichtung. Ihr Lohn lässt keine großen Sprünge zu, also sucht sie gute Angebote auf diversen Websites. „Vieles gibt es gratis gegen Abholung. So kam ich zu meinem Tisch und drei Sesseln.“ Ihre Schwäche: Deko! Nippes, Fotos, Bilder, Kerzen: „Da kann ich mich nur schwer zurückhalten und gebe viel aus.“ Ein Klischee? Die beiden Jungs haben damit wenig am Hut und sind pragmatisch: „Aufräumen soll so wenig Arbeit wie nötig machen und Deko steht herum und macht Stress.“

Das Heiligtum.

Auch wenn er meist eher leer ist, der eigene Kühlschrank ist heilig. Max sieht ­
das als spannende Heraus­forderung: „Hinein­schauen,­ drei Paradeiser, eine halbleere Flasche Kapern, ein Joghurt und ein Stück Käse finden und sich dann fragen: Was kann daraus gekocht werden?“ Lara genießt die eigene Verpflegung. „Ich kann essen, was ich will, so viel ich will, und wann ich will“, lacht sie. Alex sieht das genauso. Eine Sache, die jeden betrifft, zeigt Max auf: „Einräumen ist einfach, aber auch das Ausräumen von Sachen, die sich hinten ansammeln, darf man nicht vergessen. Warten bis das Zeug pelzige Beine bekommt und von allein wegläuft, das funktioniert leider nicht.“

Allein sein.

Während Max damit kein Problem hat, vermisst Lara oftmals ihre Eltern, „obwohl wir ständig Zoff hatten. Seit dem Auszug ist alles entspannter“. Für Alex war das Alleinsein anfangs schwierig. „Ohne einer anderen Seele um mich herum – das war bedrückend. Dass es allein auch einsam sein kann, das wird, glaube ich, oft unterschätzt.“

Also wieder retour ins Hotel Mama?

Das verneint Alex. „Es ist zwar cool und bequem, weil Wäsche waschen und die Wohnung so sauber halten, dass man sich darin wohlfühlt, wegfällt. Man hat weniger Stress, aber das geht auf Kosten der Freiheit.“ Auch wenn Eltern oder Betreuerinnen locker sind, Regeln mussten befolgt werden. Lara bringt’s auf den Punkt: „Die Freiheit, nur sich selbst gegenüber Rede und Antwort stehen zu müssen, ist super. Um Erlaubnis fragen gehört der Vergangenheit an.“

Selbstständig, und stolz darauf?

Alle drei stehen recht früh auf eigenen Beinen. Der durchschnittliche österreichische Jugendliche verlässt die elterliche Wohnung zwischen 25 und 26 Jahren. Macht das stolz? Max auf jeden Fall: „Trotz schwierigen Startbedingungen habe ich viel erreicht. Meine Lehre ist abgeschlossen und ich fühle mich in der Stadt einfach wohl.“ Vorsichtiger formuliert es Alex: „Ich hatte etwas Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser. Schließlich habe ich mich überwunden.“ Für Lara ist es eine Sache des Selbstvertrauens. „Ich zweifelte oft, ob ich die Wohnung und mein Leben allein stemmen kann. Viele sagten, das wäre zu früh, zu teuer und nicht machbar. Ich habe mir und anderen das Gegenteil bewiesen“, erzählt sie stolz.

Einfach tun!

Allein wohnen heißt, jeglichen Aspekt des Lebens selber zu organisieren. Ob das ein Termin für die Wartung einer Gastherme ist oder auch darauf zu achten, immer genügend Waschmittel zu haben. Dazu kommt noch Disziplin, weil niemand sonst darauf achtet, dass pünktlich aufgestanden wird, der Kühlschrank gefüllt ist oder Ungeziefer keine feinen Nistplätze findet, weil seit Wochen der Staubsauger unbenutzt in einer Ecke steht. Der Auszug in die eigene Wohnung ist der Schritt ins Erwachsenen-Leben. Wer das jedoch gut meistert, will nie mehr zurück.


Wohnung finden

Die meisten Wohnungen werden online auf Portalen wie www.willhaben.at (auch gut für Einrichtung) und in den Immobilien-Teilen von (Online-)Zeitungen angeboten.

  • Kosten: Ist ein Makler im Spiel, werden Gebühren von max. zwei Bruttomonatsmieten fällig. Zusätzlich muss meist eine Kaution hinterlegt werden.
  • Info und Beratung: Die Arbeiterkammer prüft Mietverträge und berät dich gerne. www.arbeiterkammer.at
  • Finanzielle Förderungen: Informationen dazu finden sich auf den offiziellen Seiten des Bundeslands, in dem du wohnst. Stichworte Wohnzuschuss, Wohnbeihilfe.
  • Junges Wohnen: In einigen Städten und Bundesländern gibt es spezielle Start-Wohnungen, einfach danach online suchen.
  • Hilfe: Was auch immer dich bedrückt, bei „Rat auf Draht“ wird dir geholfen, entweder auf www.rataufdraht.at oder unter der Rufnummer 147.

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