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„Frauen können alles“

Seit März ist Pamela Rendi-Wagner Frauen- und Gesundheitsministerin. hallo! hat sie zum ­Speeddate getroffen und mit ihr über Gleich­berechtigung, Berufswahl und Mindestlohn gesprochen.

Barbara Kasper

Warum ist es noch immer nicht selbstverständlich, dass Frauen und Männer in allen Lebensbereichen gleichberechtigt sind?
Einiges wurde erreicht und vieles eben nicht. Das liegt daran, dass diese Geschlechterstereotype ganz tief in der Gesellschaft verwurzelt sind. Solche Dinge sind sehr langsam veränderbar, ABER sie sind veränderbar. Das ist die wichtige Botschaft, und da müssen wir dranbleiben. Wir müssen die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung vorantreiben was diese Unterschiede, diese Stereotype betrifft. Das betrifft einerseits den privaten Bereich, wo Haushaltsarbeit und Kindererziehung noch immer mehr Sache der Frauen sind. Und andererseits das Berufsleben; die Lohnschere, die gläsernen Decken sind keine Fiktion, die sind Realität. Da müssen wir kämpfen, dass Frauen gleiche Chancen haben.

Was ist das Wichtigste, was wir gemeinsam erreichen müssen?
Wir müssen die zwei großen Lebensbereiche der Frauen bearbeiten und nicht nur auf eines fokussieren. Der eine ist der private Bereich, Rahmenbedingungen für die Kinderbetreuung zu schaffen, wirklich ganztägige Kinderbetreuung bundesweit und auch für die unter Dreijährigen. Das ist ein ganz wichtiger Schritt, damit Frauen nach dem ersten, zweiten Kind nicht in die Teilzeitfalle gedrängt werden, damit die Lohnschere zwischen Männern und Frauen nicht noch mehr aufgeht und ihre Karrierechancen dadurch nicht noch stärker negativ beeinflusst werden als sie schon sind. Im Bereich des Arbeitslebens wissen wir, dass derzeit mehr als 200.000 Frauen weniger als 1.500 Euro brutto pro Monat verdienen. Daher ist ein kollektivvertraglicher Mindestlohn von 1.500 Euro ein wesentlicher erster Schritt.

Was würden Sie Mädchen in punkto Berufswahl raten?
Wir müssen Mädchen und jungen Frauen klar machen, dass sie auch für technische Berufe geeignet sind. Frauen können alles! Den Anschluss an die Technik und die digitalisierte Berufswelt dürfen Mädchen nicht verabsäumen. Das sind zukunftsträchtige und auch besser bezahlte Berufssparten. Wir müssen hier zukunftsfähig sein und weg von den traditionell weiblichen Berufen. Da muss man Mädchen bei der Berufswahl unterstützen und einfach sagen: Das könnt ihr!

Was denkt man sich, wenn man Sie vor ein paar Monaten als erstes nach Glücksschuhen und nicht nach Inhalten fragt?
Grundsätzlich habe ich kein Problem, über meine Schuhe zu reden, aber ich würde viel lieber über dringende wichtige Fragen der Gesundheits- und Frauenpolitik reden. Was mich viel mehr stört ist, dass männliche Regierungsmitglieder oder Kollegen nicht als erstes nach ihren Schuhen befragt werden, oder wie sie es schaffen, die Kinderbetreuung und den Beruf unter Dach und Fach zu bekommen. Das sind typische Fragen, die leider nur Frauen bekommen.

Was heißt für Sie Gewerkschaft?
Gewerkschaft steht für mich für Solidarität und Zusammenhalt. Das ist das Wichtige und das ist, was ich auch in den ersten Monaten als Ministerin vonseiten der Gewerkschaft, vor allem vonseiten der Gewerkschaftsfrauen verspürt habe. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Was macht die Frauenministerin in ihrer Freizeit?
Die verbringe ich hauptsächlich damit, mich mit den Kindern, mit der Familie und mit meinem Mann zu beschäftigen. Ein ganz klein wenig versuche ich, für mich abzuschneiden. Ich versuche, einmal die Woche Sport zu machen, weil es mir wichtig ist, fit zu
bleiben.

Würden Sie für die SPÖ in einer zukünftigen Regierung wieder als Ministerin zur Verfügung stehen?
Ich habe mich vor drei Monaten bewusst dazu entschieden, den Job als Ministerin zu übernehmen, weil ich gewusst habe, welche wertvollen Projekte hier in der Pipeline sind. Ich möchte Dinge gestalten, umsetzen und zur Bevölkerung bringen und nicht nur auf einem Blatt Papier als Konzept belassen. Das war mir ein Anliegen, und da wollte ich auch meine Energie zur Verfügung stellen. Dieser Gestaltungswille hat kein Ablaufdatum. Sollte es nach der Wahl Möglichkeiten geben – wovon ich ausgehe –, in der nächsten Legislaturperiode wieder Teil der Regierung zu sein, dann würde es mich sehr freuen, hier auch weiterarbeiten zu können.

wordrap

Lieblingseis – Haselnuss
Urlaub – Mit Familie
Impfen – Auch ein solidarischer Akt
Papamonat – Ganz wichtig zur gerechten Aufteilung der Kinder­betreuung
Zukunft – Müssen wir mitgestalten

 

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