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Was bewegt das Land?

Die Rechtsextremen von heute erkennt man nicht mehr an Springer­stiefeln und Bomberjacken. Heute organisieren sie Demos, Aktionen und werben auf Social-Media-Plattformen.

Franko Petri

April 2016: Mitten in einer Theatervorstellung an der Uni stürmen plötzlich 30 Rechtsextreme auf die Bühne und beschmieren die SchauspielerInnen mit roter Farbe. Mit Aktionen wie dieser wollen die Identitären auf sich aufmerksam machen. Diese neurechten Recken agieren ganz anders als Skinheads und andere rechtsextreme Gruppen. Früher waren Rechtsextreme und Neonazis deutlich erkennbar – in Springerstiefeln, Bomberjacken und voll mit martialischen Tattoos wie Hakenkreuzen, Runen und Bildern aus der Hitlerzeit. Die rechtsextremen Identitären nutzen lieber die Medienorgel und organisieren Demos und Aktionen. Und sie reiten gerne auf dem Zeitgeist, der seit längerem wieder nach rechts driftet.

Rechts ist wieder salonfähig.
Seit einigen Jahren werden rechtsextreme und weit rechts stehende Positionen wieder salonfähig. Dazu tragen neue Parteien wie die AfD (Alternative für Deutschland) und Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes), aber auch die österreichische FPÖ bei. Ihnen geht es nicht um die Freiheit des Einzelnen, sondern um die angeblichen Identitäten von Völkern, die angeblich von Flüchtlingen, Alternativen und Andersdenkenden gefährdet werden. Die Identitären – sie sind eine neue Bewegung, die der Rechtsextremismusexperte Andreas Peham als „neofaschistisch“ einstuft.

Wie erkennt man die Identitären?
In Österreich nennt sich die Gruppe „Identitäre Bewegung Österreich“ (IBÖ). Sie zu erkennen ist nicht einfach. Manchmal kleiden sie sich wie Alternative, kommen im Hipster-Outfit daher und wollen vor allem Jugendliche ansprechen. Sie verteilen Flugblätter, sind aber besonders in den sozialen Medien aktiv. Typische Begriffe aus der Neonaziszene vermeiden die AnhängerInnen. Überall sehen sie einen Wettkampf der für sie säuberlich getrennten Kulturen – als ob heute nicht alle Kulturen längst miteinander vermischt wären. Auch wenn sie als Männerbund auftreten, setzen sie für ihre Propagandazwecke gezielt auch Frauen ein. Ihr Gedankengut beziehen sie aus Büchern, die schon dem Nationalsozialismus gegen den „Untergang des Abendlandes“ als Propaganda dienten. Sie verbreiten Kriegs- und Kampfparolen und organisieren Selbstverteidigungskurse. Ihr Symbol ist das griechische Lambda (λ). In Österreich traten sie mit Besetzungen, Demonstrationen, Flashmobs und zuletzt bei der Mai-Kundgebung 2017 am Wiener Rathausplatz auf. Kurzum: alter Wein in neuen Schläuchen mit muffigem ewig-gestrigen Gestank.

 

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