ÖGJ

Deine Stimme – deine Politik!

Wieder wird gewählt! Aber jede Wahl gibt die Möglichkeit, über die eigene Zukunft und Österreich mitzubestimmen. Vor allem für die Jugend ist das eine Chance, Politik zu beeinflussen. Und wie stehen sie dazu?

von Roderick Schön-Szavai

Auf jeden Fall werde ich wählen gehen“, sagt die 17-jährige Schülerin Mary selbstbewusst. Auch Yalcin, 19 Jahre alt, aus St. Pölten und Maschinenbautechniker, wird wählen gehen. Der 16-jährige Sandro, der derzeit eine Lehrstelle sucht, ist unsicher: „Ich habe nicht das Gefühl, dass es auf meine Stimme ankommt.“

Jede Stimme zählt.
Sandro liegt falsch. In der Demokratie hat jede Stimme das gleiche Gewicht, egal ob sie von einem 40-jährigen Milliardär oder einer 16-jährigen Schülerin abgegeben wird. Je höher die Wahlbeteiligung ist, desto stärker ist die Grundlage, auf der Politik aufbauen kann.

  • Die Liste „Die Weißen“ möchte NichtwählerInnen mobilisieren und stellt laufende Abstimmungen über Standpunkte in den Mittelpunkt.

Das sieht auch Sandro so. „Eine Diktatur halte ich für Blödsinn.“ Aber er zweifelt an der Demokratie: „Vielleicht habe ich das System nicht kapiert, wie die Macht vom Volke ausgeht, wenn die PolitikerInnen machen können was sie wollen.“ Hier trifft Sandro einen wichtigen Punkt: PolitikerInnen können in der Demokratie abgewählt werden, wenn die Unzufriedenheit überwiegt.

Politisch werden.
Und Yalcin ist unzufrieden: „Als 2015 die Flüchtlinge kamen, fand ich es cool, wie hilfsbereit Menschen reagiert haben. Von den PolitikerInnen war ich enttäuscht.“

  • Die „Freie Liste Österreichs“, eine Abspaltung der FPÖ Salzburg, tritt mit ihrem Spitzenkandidaten Schnell radikaler als die Mutterpartei auf.

Seitdem sieht der St. Pöltner einen Stillstand. „Es geht immer nur um AsylantInnen, Flüchtlinge und gegen Fremde. Und sonst? Entweder ich bekomme nichts mit, oder die tun nichts.“ Geschehen ist einiges. Die Lohnsteuerreform entlastet vor allem geringe Einkommen, wie auch Lehrlingsentschädigungen, im Lehrlingspaket wurden Ausbildungsordnungen modernisiert, die Vorbereitungskurse für die Lehrabschlussprüfungen sind jetzt für alle kostenlos und außerdem werden Sprachaufenthalte im Ausland gefördert.

Politisch sein.
Mary bekommt Politik seit der Kindheit mit. „In meiner Familie wird viel diskutiert.“ Politisch aktiv ist sie aber nicht. Dass gemeinsam mehr erreicht wird, weiß sie. Aber sie bleibt dabei: „Meine Unterstützung ist meine Stimme bei Wahlen.“ Mitgliedschaften in politischen Organisationen kann sie sich zwar vorstellen, „aber ich will mich gut vertreten fühlen“.

Politisch abgeschnitten.
Weder ein Ereignis noch seine Familie konnten Sandro, der in der Südsteiermark lebt, politisieren. „Ich lebe bei meiner Mutter. Wenn wir reden, geht’s um meine Zukunft.“ Sein Vater ist anders. „Er jammert, wie die Politik auf allen Ebenen versagt. Da schalten meine Ohren auf Durchzug.“

  • Die Liste Peter Pilz. Neben dem ehemaligen Grünen Pilz, der sich als Kämpfer gegen Korruption einen Namen machte, kandidieren verschiedene Personen.

Politik ist eher in Sandros Freundeskreis ein Thema: „Dabei geht’s aber meist um Ausländer, die uns Jobs wegnehmen, Geld, das falsch verteilt wird, und dass die in Wien nichts wissen.“ Er hält sich raus und orientiert sich an der Meinung seines Vaters: „Er meinte, die FPÖ hat in einigen Dingen recht, aber als sie an der Macht war, hat sie alles schlimmer gemacht.“

  • Die FPÖ und ihr Spitzenkandidat Strache stehen für einen sehr strengen Kurs gegenüber Zuwanderern/-innen. Wirtschaftspolitisch möchte die FPÖ den Interessengegensatz zwischen ArbeitnehmerInnen und Wirtschaft auflösen, was auf Lohnsenkungen hinauslaufen kann.

So viele Möglichkeiten …
und nur eine Stimme. In allen Bundesländern stehen zumindest zehn Listen zur Wahl. Bei der Präsidenten-Wahl war die Entscheidung für Yalcin einfach. „Ein Raucher als Präsident ist cool“, scherzt er. Diesmal ist er unsicher. „Ich sehe mich eher links, bin aber kein Öko, also noch am ehesten SPÖ.“ Eine Klein-Partei kommt für ihn nicht in Frage.

  • Die SPÖ mit dem Spitzenkandidaten und derzeitigem Bundeskanzler Christian Kern macht sich für soziale Sicherheit und für eine faire Umverteilung von Reich zu Arm stark. Sie möchte das bewährte System der Gewerkschaften und Kammern beibehalten und die Vertretung der ArbeitnehmerInnen stärken. Die SPÖ will aber auch Mobilität fördern und Wohnen vor allem für Junge leistbar machen.

Auch Mary hat sich noch nicht festgelegt. „Ich schwanke zwischen NEOS und ÖVP. Sebastian Kurz ist ein frischer Wind und die NEOS sind mir einfach sympathisch“, erklärt sie.

  • Die Liste Sebastian Kurz ist eine Mischung aus QuereinsteigerInnen und ÖVP-PolitikerInnen, die hauptsächlich auf das Thema innere Sicherheit setzt und für mehr privat und weniger Staat steht. Ein großer Punkt ist der Wunsch nach Flexibilisierungen in der Arbeitswelt.

Familie ist Mary sehr wichtig: „Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich möchte zu Hause bleiben, wenn ich Kinder habe.“ Andere soziale Themen sieht sie weniger kritisch: „Armen soll schon geholfen werden, aber reich sein darf kein Verbrechen sein.“

  • Die NEOS und ihr Spitzenkandidat Strolz streben das Ende der Pflichtmitgliedschaften in Arbeiter- und Wirtschaftskammer an. Damit stellen sie das System der Kollektivverträge infrage, das für rund 98 Prozent aller Beschäftigten eine faire Bezahlung und faire Arbeitsbedingungen garantiert.

Die FPÖ und andere Parteien kommen für Mary nicht infrage: „Ich steh auf Tirol und die österreichische Kultur, aber das ist nur peinlich. Die Grünen sprechen mich nicht an und die anderen Parteien kenne ich nicht.“

  • Die Grünen und ihre Spitzenkandidatin Lunacek stehen für eine umweltgerechte Wirtschaft, eine ökologische Steuerreform und eine liberale Gesellschaft.

Meinungsbildung.
Yalcin informiert sich meist über das Internet. „Vieles bekomme ich über Facebook mit. Aber so ganz traue ich dem nicht. Darum lese ich auch die Nachrichten auf orf.at und gmx.“ Er vertraut sonst dem Fernsehen. „Die Diskussionssendungen vor den Wahlen schaue ich mir meistens an.“

  • Die Liste Meine Stimme gilt! wurde vom Kabarettisten Roland Düringer gegründet. BürgerInnen konnten sich um Listenplätze bewerben und werden nach einer Prüfung per Zufall gereiht.

Mary nutzt zwar auch das Internet, berät sich aber lieber mit ihrer Familie. Eher abgeschnitten ist Sandro. Sein Fokus liegt nur auf der Lehrstellensuche. Forderungen. Mary, die später studieren will, hat sehr konkrete politische Wünsche. „Die Finanzierung der Universitäten soll sicher sein, und es soll wieder auf das Land geachtet werden. Bei uns im Dorf gibt’s immer weniger Möglichkeiten.“ Mary will, dass die Bundesregierung den ländlichen Raum stärker fördert.

  • Die KPÖ setzt auf kommunistische Standpunkte. Schwerpunkt ist ein starker Sozialstaat und das bedingungslose Grundeinkommen für alle.

Yalcins Erwartungen sind ähnlich konkret: „Ein besseres Verkehrsnetz, billigere Mieten und sichere Jobs.“ Noch wohnt er zu Hause, fährt Moped und spart auf eine Wohnung. „Ich möchte ohne Sorgen leben können und mir jetzt eine Basis schaffen.“

Müde? Niemals!
Zwei werden auf jeden Fall wählen gehen, nur die Festlegung fehlt noch. Sandro hat andere Sorgen. Vielleicht findet er für sich eine Partei, von der er seine Probleme ernst genommen sieht und gibt ihr seine Stimme, denn: Wer wählen geht, bestimmt mit. Wer nicht wählen geht, über den wird bestimmt.

Wie informierst du dich über Politik und bildest dir deine Meinung?

Phillip, 22, Koch-Lehrling:
„Ich lese gute Zeitungen und informiere mich auch durch Social Media. Es wird trotzdem immer etwas verheimlicht, also rede ich eher mit meinen Freunden.“

Kathrin, 28, Angestellte:
„Hauptsächlich informiere ich mich über Facebook und Social Media. Die Sommergespräche sehe ich mir ebenfalls an. Wenn ich dann mehr wissen will, recherchiere ich im Internet.“

Hanna, 17, und Anna, 16, beide Schülerinnen:
„Wir informieren uns über Social Media, traditionelle Nachrichten und welche Zeitung gerade da ist. In der Schule ist Politik hin und wieder im Geschichte-Unterricht ein Thema.“

Geh wählen!

Regelmäßig im Leben werden wir vor entscheidende Wahlen gestellt. Wir entscheiden, welche Ausbildung wir absolvieren, wo wir arbeiten, wo und wie wir wohnen und vieles mehr. All das überlegen wir uns genau, wiegen Vor- und Nachteile ab und entscheiden so, wie es für einen selbst am besten ist. Diese Entscheidungen sind ausschlaggebend für unser Leben, sie gestalten es maßgeblich mit, und wir überlegen sie uns gut. Alle fünf Jahre werden wir auch aufgefordert, unsere Stimme bei den Nationalratswahlen abzugeben. So auch wieder am 15. Oktober. Zumindest 10 verschiedene Parteien stehen zur Wahl. Und auch hier gilt es, gut zu überlegen, welcher Partei man die eigene Stimme gibt. Denn wer am Ende die meisten Stimmen hat wird maßgeblich entscheiden welche Gesetze beschlossen werden, ob Sozialleistungen wie Mindestsicherung, Krankenversicherung bestehen bleiben, ob in Ausbildung und Arbeit investiert wird, ob Wohnen wieder leistbar wird oder ob Politik für Reiche und Superreiche gemacht wird. Gerade in Zeiten wie diesen, wo es Parteien gibt, die die Interessenvertretung von ArbeitnehmerInnen schwächen wollen, denen Gewerkschaften ein Dorn im Auge sind und die mit nichts anderem als Hetze Politik machen, müssen wir zusammenhalten. Wer sagt „Ist mir egal“, riskiert mit einer menschenverachtenden und rassistischen Regierung aufzuwachen, die sich nicht, wie oft behauptet für den kleinen Mann und die kleine Frau einsetzt, sondern für die obersten, privilegiertesten 5 Prozent der ÖsterreicherInnen. Also geh wählen, und mach dein Kreuzerl.

Die Kamikatze

Artikel weiterempfehlen

Instagram

> FOLGEN
Facebook
> LIKEN
Twitter
> HIER GEHT´S ZU TWITTER