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Lehrlingsmonitor

Kurzzusammenfassung Lehrlingsmonitor 2017/18

In der internationalen Diskussion herrscht breiter Konsens, dass das duale Ausbildungssystem mit seinem starken Fokus auf die betriebliche Praxis eine Reihe von Vorteilen mit sich bringt. Dazu zählen die Integration in die Arbeitswelt, das praktische Lernen am Arbeitsplatz, der finanzielle Vorteil durch die Lehrlingsentschädigung oder der Erwerb von Beitragszeiten zur Pensionsversicherung. Doch während die duale Ausbildung international zunehmend zum Exportschlager avanciert, streben hierzulande immer weniger Jugendliche eine Lehre an. Um diesem Widerspruch auf den Grund zu gehen, haben Arbeiterkammer und der Österreichische Gewerkschaftsbund – wie schon 2014/2015 – die Lehrlinge zu ihren Arbeits-und Lernbedingungen im Betrieb befragt. Dazu wurde zwischen November 2016 und Mai 2017 eine bundesweite Online-Befragung von Lehrlingen im letzten Lehrjahr durchgeführt. Es wurden insgesamt 6.024 gültige Fragebögen ausgewertet.

Um die Ausbildungsqualität verschiedener Lehrberufe und Lehrbetriebe vergleichen zu können, wurde ein Kriterienkatalog wesentlicher betrieblicher Ausbildungsbedingungen erstellt.

Die Lehrberufe, die Lehrlinge am besten bewertet haben, sind:
Bankkaufmann/frau, Speditionskaufmann/frau, MaurerIn, Zimmerei, Steuerassistenz, Informationstechnologie, Karrosseriebautechnik, Versicherungskaufmann/frau, Metalltechnik, Verwaltungsassistenz;

Zu den Berufen mit den schlechtesten Bewertungen gehören:
FriseurIn und PerückenmacherIn (StylistIn), Restaurantfachmann/frau, Elektrotechnik, Einzelhandel, MalerIn und BeschichtungstechnikerIn, KFZ-Technik, Pharmazeutisch-kaufmännische Assistenz, TischlerIn, KonditorIn, Hotel- und GastgewerbeassistentIn, BäckerIn

Diese Ergebnisse verdeutlichen ebenso wie bereits 2015: In einigen Bereichen der betrieblichen Lehrlingsausbildung gibt es konkreten Handlungsbedarf, um das heimische Modell zukunftsfit zu machen. Dies betrifft vor allem die Ausbildungsqualität, arbeits- und sozialrechtliche Fragen und das Arbeitsklima. Interessant ist es aber auch, dass sich im Vergleich zu 2015 wenig geändert hat: die Lehrlinge, die 2014/2015 im letzten Lehrjahr waren und befragt wurden, sind nicht die gleichen Personen – dennoch stimmt die Bewertung mit wenigen Abweichungen überein. Einerseits spricht das für die Qualität der durchgeführten Befragung, andererseits haben die seit 2014/2015 gesetzten Maßnahmen (noch) keine Wirkungen gezeigt (zB Lehrlingscoaching/Lehrbetriebscoaching, Vorbereitungskurse für die Lehrabschlussprüfung für alle Lehrlinge…)

AUSBILDUNGSQUALITÄT

Häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten
Lerninhalte und Tätigkeitsfelder für die Lehrlingsausbildung sind klar geregelt – und die meisten Lehrlinge wissen auch gut Bescheid über die Lerninhalte ihres Berufes (72 %). Fragt man jedoch nach der betrieblichen Umsetzung, zeigt sich: Nicht einmal die Hälfte der Lehrlinge wird im Betrieb nur für ausbildungsbezogene Tätigkeiten eingesetzt. Fast jeder dritte Lehrling (29 %) gibt sogar an, (sehr) häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten auszuüben. Die Veränderung zur Befragung 2015 beträgt lediglich 2 Prozent (2015 waren es 31 %).

Kooperation der Lernorte Betrieb und Berufsschule nur mittelmäßig
Nur 37 Prozent der Lehrbetriebe erkundigen sich nicht nach den Lerninhalten der Berufsschule. Gemeinsame Projekte zwischen Lehrbetrieben und Schulen gibt es in den wenigsten Fällen (17 %) – das bedeutet eine leichte Verbesserung gegenüber 2015 um 2 Prozent.

Immer noch zu wenig betriebliche Unterstützung für die Lehrabschlussprüfung (LAP)
58 Prozent der Lehrlinge geben an, bei der Vorbereitung zur LAP vom Lehrbetrieb unterstützt zu werden, aber weniger als die Hälfte (46 %), dass ihr/e AusbilderIn mit ihnen über die Anforderungen der Lehrabschlussprüfung gesprochen hat. Das ist eine der Verbesserungen im Verhältnis zur Befragung aus 2015 – damals gaben nur 46 Prozent der Lehrlinge an, vom Betrieb bei der Vorbereitung zur Lehrabschlussprüfung unterstützt zu werden und nur 37 Prozent haben mit ihrem/ihrer AusbilderIn über die Anforderungen der Lehrabschlussprüfung gesprochen.
Über alle Branchen hinweg haben sich die Rahmenbedingungen der Lehrlingsausbildung seit der letzten Befragung 2014/2015 etwas verbessert; Verschlechterungen gab es zB im Bereich Installations-und Gebäudetechnik, KFZ-Technik.

Ausbildung durch die AusbilderInnen
Sieben von zehn Lehrlingen kennen ihre/n AusbilderIn und diese/r übernimmt auch die Ausbildung; für rund 30 Prozent übernehmen andere Personen im Betrieb die Ausbildung bzw ist gar niemand für die Ausbildung verantwortlich (3 %).

ARBEITSRECHT

Ein Drittel leistet Überstunden – nicht immer freiwillig
Für jugendliche Lehrlinge gelten besondere arbeits- und sozialrechtliche Bestimmungen. So sind z. B. Überstunden für sie verboten. Die Realität sieht in vielen Betrieben leider anders aus: 36 Prozent der unter 18-Jährigen gibt an Überstunden zu leisten – mehr als ein Drittel davon sogar unfreiwillig – das bedeutet, dass unfreiwillige Überstundenleistung sogar um 4 Prozent zugenommen hat.

Arbeitszeitaufzeichnung
Über schriftliche Arbeitszeitaufzeichnungen verfügen knapp zwei Drittel der Lehrlinge (65 %), für jeden fünften Lehrling (20 %) gibt es keine Arbeitszeitaufzeichnungen, 15 Prozent sagen, dass sie nicht wissen, ob es in ihrem Betrieb eine Möglichkeit der Arbeitszeiterfassung gibt, oder nicht. Überstunden Insgesamt geben etwa vier Zehntel der Lehrlinge an, entweder am Samstag oder Sonntag regelmäßig zu arbeiten. Etwas mehr als ein Viertel ist nur samstags regelmäßig am Arbeitsplatz. Mehr als ein Zehntel hingegen arbeitet regelmäßig sowohl am Samstag als auch am Sonntag. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass Wochenendarbeit vor allem in der Branche Tourismus und Freizeitwirtschaft stattfindet.

AUSBILDUNGSKLIMA

Betriebliche Rahmenbedingungen
Die Rückmeldungen zum Ausbildungsklima sind ambivalent: 7 von 10 Lehrlingen macht die Arbeit Spaß. Gleichzeitig sagt jedoch nur rund die Hälfte der befragten Lehrlinge, dass in der Ausbildung auf ihre Neigungen und Interessen eingegangen wird. Rund jeder vierte Lehrling gibt an, dass es bei neuen Arbeitsaufgaben nicht genügend Zeit zum Ausprobieren gibt.

Feedbackkultur
Nur vier von zehn Lehrlingen (40 %) geben an, dass es mit dem Lehrbetrieb einen ausreichenden Austausch über den Ausbildungsverlauf gibt.

Ausbildungsabbruch und Verbleib im Lehrberuf
Fast jeder zweite Lehrling hat während der Lehrzeit mindestens einmal über einen Ausbildungsabbruch nachgedacht, wiederum fast die Hälfte davon (also insgesamt ein Fünftel aller Lehrlinge) hat diese Überlegung sogar ernsthaft in Betracht gezogen. Überdies gibt jeder vierte Lehrling an, von sich aus nach dem Lehrabschluss nicht im Betrieb bleiben zu wollen und 31 Prozent wollen nicht im Lehrberuf bleiben.

Berufliche Zukunft wird pragmatisch-optimistisch gesehen
Mehr als zwei Drittel der Lehrlinge (71 %) blicken ihrer individuellen beruflichen Zukunft zuversichtlich entgegen. Zwei von drei Lehrlingen (70 %) fühlen sich durch die Lehrausbildung gut auf die zukünftige Arbeit als Fachkraft vorbereitet.

Lehrabschlussprüfung (LAP)
Die Ergebnisse zeigen eine bemerkenswerte Diskrepanz einerseits zwischen der Wichtigkeit der Lehrabschlussprüfung für die Lehrbetriebe und anderseits der konkreten Unterstützungsleistung bei der LAP-Vorbereitung. Neun von zehn befragten Lehrlingen betonen, dass ihrem Lehrbetrieb der Antritt zur Lehrabschlussprüfung besonders wichtig ist. Allerdings geben nur sechs von zehn Lehrlingen an, dass ihnen der Betrieb bei der Vorbereitung zur LAP hilft. Weniger als die Hälfte der Lehrlinge hat mit ihren AusbilderInnen darüber gesprochen, was sie bei der LAP können müssen.

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