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Lehrlingsmonitor

Fazit und Forderungen

Die befragten Lehrlinge blicken am Ende ihrer Lehrzeit überwiegend pragmatisch-optimistisch in die Zukunft. Rückblickend benennen sie jedoch einige Defizite in der Ausbildung.

Zu den zentralen Problemlagen zählen unter anderem die nur unregelmäßige Anwesenheit von verantwortlichen AusbilderInnen, mangelhafte betriebliche Feedbackkultur und schlechtes Arbeitsklima, unerlaubte bzw. unfreiwillige Überstunden oder die Internatskosten. Ein weitgehend positives Zeugnis stellen die wenigen Lehrlinge, die in diesen Genuss kommen, hingegen der Möglichkeit zu Zusatzqualifikationen aus. Auch das Lernen in den Berufsschulen wird sehr positiv bewertet. Es zeigt sich einmal mehr, dass jene Jugendliche, mit denen die Ausbildungsinhalte gemeinsam gestaltet werden und deren Zufriedenheit mit der Ausbildung am größten ist, am besten auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sind. In Betrieben, in denen Jugendliche nur als billige Arbeitskraft eingesetzt werden und die Ausbildungsinhalte nur mangelhaft vermittelt werden, ist es hingegen deutlich wahrscheinlicher, dass die Ausbildung abgebrochen wird und die Lehrabschlussprüfung nicht oder nicht positiv absolviert wird.

BERUFSEINSTIEG

Die Mehrheit der befragten Lehrlinge konnte ihren Berufswunsch realisieren. Allerdings sind rund 9.000 Lehrlinge in überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen und rund 7.000 Jugendliche suchen eine Lehrstelle, das bedeutet, dass es für viele Jugendliche dennoch schwierig ist, einen Ausbildungsplatz zu finden. Das liegt unter anderem daran, dass immer weniger Unternehmen Lehrlinge von Anfang an selbst ausbilden, waren es 2004 noch 37.700 Lehrbetriebe, sind es zehn Jahre später nur noch 31.700, also um rund 6.000 Lehrbetriebe weniger. Oft ist es für Jugendliche auch nicht einfach, einen Lehrberuf zu finden, der den Interessen und Neigungen entspricht, und wo auch die Rahmenbedingungen im Berufsalltag passen.

Wir fordern:

  • Berufsorientierung als Lerninhalt in den Schulen.
  • Berufsorientierung soll dazu genutzt werden, um traditionelle Rollenbilder in der Berufswahl aufzubrechen und soll sich an den Neigungen und Interessen der Jugendlichen ausrichten.
  • Ausbau des Jugend- und Lehrlingscoachings.
  • Einen Ausbildungsfonds (Fachkräftemilliarde), in den Unternehmen einzahlen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, und aus dem Betriebe, die qualitativ hochwertig ausbilden, Förderungen erhalten. Der Fonds soll durch ein Prozent der Jahresbruttolohnsumme durch die Firmen finanziert werden.

BETRIEBLICHE RAHMENBEDINGUNGEN

  • Der Austausch zwischen Betrieb/AusbilderIn und Lehrling findet zu selten bzw. überhaupt nicht statt, so gibt nur etwas mehr als die Hälfte der Lehrlinge an, dass sie den/die AusbilderIn kennen und er/sie auch im Betrieb anwesend ist. Nur rund die Hälfte der Lehrlinge gibt an, vom Betrieb mehr oder weniger bei der Vorbereitung zur Lehrabschlussprüfung Unterstützung zu bekommen.
  • Rund ein Drittel aller Lehrlinge gibt an, Überstunden zu leisten – ein Teil davon (12 Prozent) bekommt diese Überstunden nur teilweise bezahlt. Fast die Hälfte der Lehrlinge gibt an, auch berufsfremde Arbeiten, die nicht zur Ausbildung gehören, erledigen zu müssen

Wir fordern:

  • Prämien für AusbilderInnen für die Ausübung ihrer Tätigkeit.
  • Verpflichtende Kompetenzchecks zur Mitte der Lehrzeit, um den Ausbildungsstand festzustellen.
  • Kontinuierliche Besprechung der Ausbildungsinhalte anhand des Berufsbildes.
  • Keine berufsfremden Tätigkeiten.
  • Stärkerer Fokus und bessere Rahmenbedingungen für die Ausbildung der AusbilderInnen.
  • Stärkere Kontrollen der Betriebe und stärkere Sanktionierung von verbotenen Überstunden.
  • Österreichweit einheitliche Fragen für die Lehrabschlussprüfung.
  • Lehrlinge und AusbilderInnen brauchen ausreichend Zeit im Betrieb für die Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung.

BERUFSSCHULE

Viele Jugendliche geben an, dass die Rahmenbedingungen rund um die Berufsschule belastend sind. Die An- und Abreise von oft mehreren Stunden wird nicht als Arbeitszeit gewertet. Manche Jugendliche müssen aufgrund der hohen Distanzen schon am Sonntag in das Berufsschulinternat fahren und sind dann erst Freitagabend wieder zu Hause. Es bleibt zu wenig Zeit, um soziale Kontakte zu pflegen, ehrenamtlichen Funktionen nachzukommen oder seine Hobbys auszuüben. Dazu kommen in vielen Fällen die Kosten des Berufsschul-Internates, die ohne kollektivvertragliche Regelung durch die Lehrlingsentschädigung finanziert werden, sodass den betroffenen Lehrlingen darüber hinaus kein oder nur sehr wenig Geld verbleibt.

Wir fordern:

  • Volle Übernahme der Internatskosten durch die Betriebe.
  • Freifahrt für alle Lehrlinge für alle öffentlichen Verkehrsmittel.
  • Lehrbetriebe müssen sich ihrer Verantwortung für den schulischen Erfolg der Lehrlinge bewusst werden.
  • Bessere Vernetzung zwischen Berufsschulen und Betrieben, um die schulischen und betrieblichen Lerninhalte besser abzustimmen zu können sowie Projektarbeiten zu fördern.
  • Ausweitung der Berufsschulzeiten.

ÜBERGANG VON DER LEHRE ZUM/ZUR FACHARBEITERiN

Rund ein Fünftel der Lehrlinge besteht die Lehrabschlussprüfung nicht beim ersten Antritt und rund 5 Prozent treten erst gar nie zu einer Lehrabschlussprüfung an. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf strukturelle Probleme in der betrieblichen Ausbildung. Aus unserer Sicht lässt sich diese Situation nur durch professionelles Qualitätsmanagement in der betrieblichen Ausbildung verbessern.

Leider ist oft die Bezahlung ein Grund, warum Jugendliche nicht in ihrem Berufsfeld bleiben. Zu einem attraktiven Lehrberuf gehört natürlich, auch als FacharbeiterIn eine anständige Bezahlung zu erhalten. Oft werden auch die Rahmenbedingungen als FacharbeiterIn als unattraktiv empfunden. Außerdem werden die Anforderungen an die Lehrlinge immer höher. So sind Zweisprachigkeit, sehr gute Computerkenntnisse etc. schon sehr oft Voraussetzungen für einen Arbeitsplatz nach der Lehrzeit. Diese Entwicklung sollte im Bereich der Lehrausbildung berücksichtigt werden.

Wir fordern:

  • Einen FacharbeiterInnen-Mindestlohn von 1.700 Euro brutto.
  • Moderne Lehrberufe müssen individuellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ansprüchen gerecht werden.
  • Verstärkte Investitionen in die Berufsschulstandorte sowie den Ausbau von nicht fachbezogenen Unterrichtsfächern, die die soziale Kompetenz der Lehrlinge erhöht.

Zusammenfassend fordern wir eine deutliche Ausweitung der Berufsorientierung, Qualitätssicherung in den Betrieben, ein Ende der unentgeltlichen Arbeitszeit sowie der versteckten Kosten für die Eltern bzw. die Lehrlinge während der Berufsschulzeit (Reisezeit- und Internatskosten), Investitionen in die Berufsschulstandorte, eine kräftige Anhebung der Lehrlingsentschädigungen sowie einen höheren Mindestlohn für FacharbeiterInnen. Diese Maßnahmen können dazu beitragen, das Image der Lehre aufzuwerten und dem von den Betrieben beklagten FacharbeiterInnenmangel entgegenzuwirken.

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