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Lehrlingsmonitor

Fazit und Forderungen

Die befragten Lehrlinge blicken am Ende ihrer Lehrzeit überwiegend pragmatisch-optimistisch in die Zukunft. Rückblickend benennen sie jedoch einige Defizite in der Ausbildung.

Zu den zentralen Problemlagen zählen unter anderem die nur unregelmäßige Anwesenheit von verantwortlichen AusbilderInnen, mangelhafte betriebliche Feedback kultur und schlechtes Arbeitsklima, unerlaubte bzw. unfreiwillige Überstunden oder die Internatskosten, die am 1.1.2018 durch eine Kampagne der Gewerkschaftsjugend abgeschafft wurden; ein verpflichtender Kostenersatz durch die Lehrbetriebe entlastet nun die Lehrlinge und deren Eltern.

Ein weitgehend positives Zeugnis stellen die wenigen Lehrlinge, die in diesen Genuss kommen, hingegen der Möglichkeit zu Zusatzqualifikationen aus. Auch das Lernen in den Berufsschulen wird sehr positiv bewertet. Es zeigt sich einmal mehr, dass jene Jugendliche, mit denen die Ausbildungsinhalte gemeinsam gestaltet werden und deren Zufriedenheit mit der Ausbildung am größten ist, am besten auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sind. In Betrieben, in denen Jugendliche nur als billige Arbeitskraft eingesetzt werden und die Ausbildungsinhalte nur mangelhaft vermittelt werden, ist es hingegen deutlich wahrscheinlicher, dass die Ausbildung abgebrochen wird und die Lehrabschlussprüfung nicht oder nicht positiv absolviert wird.

BERUFSEINSTIEG

Die Mehrheit der befragten Lehrlinge konnte ihren Berufswunsch realisieren. Allerdings sind zwischen 9.000 und 11.000 Lehrlinge in überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen und rund 4.000 bis 5.000 Jugendliche suchen eine Lehrstelle, das bedeutet, dass es für viele Jugendliche dennoch schwierig ist, einen Ausbildungsplatz zu finden. Das liegt unter anderem daran, dass immer weniger Unternehmen Lehrlinge von Anfang an selbst ausbilden. Waren es 2004 noch 37.700 Lehrlinge im ersten Lehrjahr, sind es im Jahr 2017 nur noch 29.700, also um rund 8.000 Lehrlinge im ersten Lehrjahr weniger.

Oft ist es für Jugendliche auch nicht einfach, einen Lehrberuf zu finden, der den Interessen und Neigungen entspricht, und wo auch die Rahmenbedingungen im Berufsalltag passen.

Wir fordern:

  • Berufsorientierung als Lerninhalt in den Pflichtschulen.
  • Berufsorientierung soll dazu genutzt werden, um traditionelle Rollenbilder in der Berufswahl aufzubrechen und soll sich an den Neigungen und Interessen der Jugendlichen ausrichten.
  • Ausbildungsqualität in den Betrieben verbessern.
  • Einen Ausbildungsfonds (Fachkräftemilliarde), in den Unternehmen einzahlen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, und aus dem Betriebe, die qualitativ hochwertig ausbilden, Förderungen erhalten. Der Fonds soll durch ein Prozent der Jahresbruttolohnsumme durch die Firmen finanziert werden.

BETRIEBLICHE RAHMENBEDINGUNGEN  

Der Austausch zwischen Betrieb/AusbilderIn und Lehrling findet nicht immer statt. 29 Prozent der Lehrlinge sagen, dass der/die AusbilderIn nicht immer im Betrieb anwesend ist oder haben keine Kenntnis darüber. Mehr als die Hälfte der Lehrlinge gibt an, vom Betrieb mehr oder weniger bei der Vorbereitung zur Lehrabschlussprüfung Unterstützung zu bekommen.

Rund ein Drittel aller Lehrlinge gibt an, Überstunden zu leisten – ein Teil davon (11 %) bekommt diese Überstunden nur teilweise bezahlt. Mehr als die Hälfte der Lehrlinge gibt an, auch berufsfremde Arbeiten, die nicht zur Ausbildung gehören, erledigen zu müssen

Wir fordern:

  • Prämien für AusbilderInnen für die Ausübung ihrer Tätigkeit.
  • Verpflichtende Kompetenzchecks zur Mitte der Lehrzeit, um den Ausbildungsstand festzustellen.
  • Kontinuierliche Besprechung der Ausbildungsinhalte anhand des Berufsbildes.
  • Keine berufsfremden Tätigkeiten.
  • Stärkerer Fokus und bessere Rahmenbedingungen für die Ausbildung der AusbilderInnen.
  • Stärke Kontrollen der Betriebe und stärkere Sanktionierung von verbotenen Überstunden.
  • Österreichweit einheitliche Fragen für die Lehrabschlussprüfung.
  • Lehrlinge und AusbilderInnen brauchen ausreichend Zeit im Betrieb für die Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung.

ÜBERGANG VON DER LEHRE ZUM/ZUR FACHARBEITERiN

Rund ein Fünftel der Lehrlinge besteht die Lehrabschlussprüfung nicht beim ersten Antritt und rund 5 Prozent treten erst gar nie zu einer Lehrabschlussprüfung an. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf strukturelle Probleme in der betrieblichen Ausbildung. Aus unserer Sicht lässt sich diese Situation nur durch professionelles Qualitätsmanagement in der betrieblichen Ausbildung verbessern. Leider ist oft die Bezahlung ein Grund, warum Jugendliche nicht in ihrem Berufsfeld bleiben. Zu einem attraktiven Lehrberuf gehört natürlich, auch als FacharbeiterIn eine anständige Bezahlung zu erhalten. Oft werden auch die Rahmenbedingungen als FacharbeiterIn als unattraktiv empfunden. Außerdem werden die Anforderungen an die Lehrlinge immer höher. So sind Mehrsprachigkeit, sehr gute Computerkenntnisse etc. schon sehr oft Voraussetzungen für einen Arbeitsplatz nach der Lehrzeit. Diese Entwicklung sollte im Bereich der Lehrausbildung berücksichtigt werden.

Wir fordern:

  • Einen FacharbeiterInnen-Mindestlohn von 1.700 Euro brutto. (ÖGB Beschlusslage).
  • Moderne Lehrberufe müssen individuellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ansprüchen gerecht werden.
  • Verstärkte Investitionen in die Berufsschulstandorte sowie den Ausbau von nicht fachbezogenen Unterrichtsfächern, die die soziale Kompetenzen der Lehrlinge erhöht.

LEHRABSCHLUSSPRÜFUNG (LAP)

Die LAP stellt den Abschluss der Lehrzeit und somit das Ausbildungsziel dar. Eine frühere Untersuchung (Schlögl & Mayerl, 2013) hat gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit zum Antritt einer Lehrabschlussprüfung unter anderem davon abhängig ist, wie sich die Lehrlinge am Ende ihrer Ausbildung auf die Lehrabschlussprüfung vorbereitet fühlen: Je besser der LAP-Vorbereitungsgrad, desto höher die LAP Antrittswahrscheinlichkeit. Bemerkenswert ist dahingehend der hohe Anteil an Lehrlingen (42%), die ihren LAP-Vorbereitungsgrad zum Zeitpunkt der Befragung noch als unzureichend einschätzten und noch weitere Vorbereitungsarbeit für die Prüfung benötigen. Jedem siebenten Lehrling sind die Anforderungen (noch) unbekannt.

Wir fordern:

  • Wie bei den MaturantInnen sollen auch die Lehrlinge ihre Abschlussprüfung (LAP) kostenlos ablegen können.
  • Die LAP soll in vertrauter Umgebung am Berufsschulstandort stattfinden.
  • Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind auch bei der LAP wichtig, deswegen sollen die Prüfungen in Zukunft öffentlich abgehalten werden.
  • Die LAP soll zeitnah zum Berufsschulbesuch abgehalten werden.
  • Pädagogisch geschulte LehrabschlussprüferInnen.

Zusammenfassend fordern wir eine deutliche Ausweitung der Berufsorientierung, Qualitätssicherung in den Betrie- ben, ein Ende der unentgeltlichen Arbeitszeit sowie Investitionen in die Berufsschulstandorte, eine kräftige Anhe- bung der Lehrlingsentschädigungen sowie einen höheren Mindestlohn für FacharbeiterInnen. Diese Maßnahmen können dazu beitragen, das Image der Lehre aufzuwerten und dem von den Betrieben beklagten FacharbeiterInnenmangel entgegenzuwirken.

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