Sie traut sich was
Porträt Jugendvertrauensrat (JVR)
"Ich trau mich schon was zu sagen, da nehme ich mir kein Blatt vor den Mund", beschreibt Sarah Viehböck einen ihrer wesentlichen Charakterzüge. Und sie traut sich noch ganz anderes zu: Die 17-Jährige absolviert ihre Lehre in einem Berufsfeld, das als eine "Männerdomäne" gilt. In Zukunft wird Sarah nämlich als Mess- und Regeltechnikerin arbeiten. Vor ihr gab es kaum Mädchen, die sich in dieses Feld wagten. Gemeinsam mit ihr bestreiten noch zwei weitere Mädchen das Lehrjahr in der voestalpine. Eine Mess- und RegeltechnikerIn ist vor allem auf automatisierte Anlagen spezialisiert, betreut Messgeräte und Messeinrichtungen, die es in einem Betrieb gibt.
Physik und Mathe. Bei voestalpine, einem Unternehmen, das immerhin 13.000 Menschen beschäftigt, ist das keine leicht überschaubare Aufgabe. Wer Prüf- oder Messgeräte einstellt, sollte gut rechnen können und auch die Grundzüge der Physik sollten dabei kein Fremdwort sein. Doch leider trauen noch immer allzu viele Chefs Mädchen kein naturwissenschaftliches Verständnis zu. Das logische Denken oder die technische Begabung - trotz anders lautender Beteuerungen - gilt wohl immer noch als Steckenpferd der Burschen.
"Aber Mädchen sollten sich einfach mehr trauen, es geht immer mehr als man glaubt", sagt Sarah. Das weiß sie aus eigener Erfahrung, immerhin landete sie im oberösterreichischen Lehrlingswettbewerb heuer auf dem dritten Platz. Noch nie zuvor war ein Mädchen bei den Mess- und Regeltechnikern so gut platziert.
"Es gibt Situationen, wo ich genau nach Plan vorgehen muss, aber wenn etwas nicht funktioniert, dann muss ich eben kreativ nach weiteren Lösungen suchen", sagt Sarah, die sich weder das Blatt vor den Mund noch das Brett vor den Kopf hält.
Mut und Kreativität. Herausforderungen sind kein Stress, sondern durchaus Spaß. Im Juni ist Sarah Viehböck nämlich auch zur Jugendvertrauensrätin in der voestalpine gewählt worden. Sie ist jetzt eine von Zwölf. "Gemeinsam vertreten wir circa 530 Jugendliche", berichtet sie mit Stolz. Noch muss sie ein bisschen Arbeitsrecht büffeln und sich mit dem Amt richtig vertraut machen. "Es interessiert mich Menschen zu vertreten und Konflikte zwischen ihnen zu lösen", sagt sie. Eine Vorliebe, die sie auch in einer weiteren Funktion ausüben kann: Sarah ist auch noch Sprecherin im Lehrlings-Internat. Mut und Kreativität sind ihre besten Handwerkszeuge - sowohl für die Mess- und Regeltechnik als auch das Abwägen und ins Lot bringen menschlicher Konflikte. Ihre Heimatgemeinde St. Johann am Wimberg, im oberösterreichischen Mühlviertel gelegen, ist knappe 35 Kilometer von Linz entfernt. Nahe genug, um sich am Wochenende mit Freunden aus dem Ort zu treffen, dann nutzt Sarah die freie Zeit am liebsten zum Schwimmen und im Winter fürs Skifahren.
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