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ÖGJ

Wir fordern: Zivildiener-Pay-Gap schließen!

Aufforderung in offenem Brief an Bundesministerin Köstinger, die ungleiche Bezahlung von Zivildienern aufzuheben

Aufgrund des Mangels an Arbeitskräften im Pflege- und Gesundheitsbereich hat Bundesministerin Elisabeth Köstinger Mitte März ehemalige Zivildiener ersucht, sich freiwillig für einen abermaligen Dienst an der Gesellschaft zu melden. Aktuell werden auch junge Männer, die ihren Dienst im Normalfall demnächst beendet hätten, zur Verlängerung um drei Monate verpflichtet. 

Der Unterschied dieser beiden Gruppe zeigt sich in der Bezahlung. Während Zivildiener, die sich freiwillig zum Dienst melden, pro Monat netto mindestens 1.677 Euro netto bekommen, erhalten jene, die nun verpflichtet werden, rund 500 euro weniger. Diese Ungleichbehandlung ist aus Sicht der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) nicht nachvollziehbar und ungerecht.

Alle Zivildiener gleich zu vergüten, würde lediglich 0,0045 Prozent des 38 Milliarden hohen Corona-Hilfspaket ausmachen.

Jeremy Strobl, Stellvertretender Landesjugendvorsitzender der ÖGJ Steiermark, fordert Zivildienstministerin Köstinger daher in einem offenen Brief dazu auf, diesen Zivildiener-Pay-Gap schnellstmöglich zu beseitigen.


Offener Brief an Zivildienstministerin Elisabeth Köstinger


Sehr geehrte Bundesministerin Köstinger!

Aufgrund der Corona-Krise haben Sie öffentlich dazu aufgerufen, dass sich ehemalige Zivildiener freiwillig zum außerordentlichen Zivildienst melden sollen. Diese Maßnahme gewährleistet u. a. die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung und ist daher auch aus unserer Sicht nachvollziehbar. Es gilt, einerseits Risikogruppen zu schützen und andererseits Menschen zu helfen, welche die Unterstützung notwendig brauchen und selbst dazu oft nicht in der Lage sind. Das Rettungswesen, die Krankenanstalten und Sozial- und Behinderteneinrichtungen stehen vor noch größeren Belastungen, als sie schon ohnedies täglich ausgesetzt sind. Genau in diesen Bereichen können Zivildiener jetzt einen wichtigen Beitrag leisten und maßgeblich dabei unterstützen, unser Sozial- und Gesundheitssystem und das dort tätige Personal zu entlasten.

Rund 1.500 Zivildiener, welche aktuell ihren Dienst ableisten, wurden mit der unfreiwilligen Verpflichtung von Ihnen vor vollendete Tatsachen gestellt. Wie Sie wissen, stehen junge Erwachsene vor Antritt ihres Zivildienstes meist schon aktiv im Berufsleben und haben sich eine eigene Existenz aufgebaut. Viele finanzieren ihr Leben während des Zivildienstes durch das zuvor Ersparte oder werden – wenn möglich – von ihren Angehörigen unterstützt. Die nunmehrige Zwangsverpflichtung bedeutet eine weitere einschneidende finanzielle Belastung für diese jungen Menschen.

In den letzten Tagen haben sich unzählige Betroffene bei uns gemeldet und berichteten von ihren beruflichen Plänen, welche sie nun nicht mehr verwirklichen können. Viele sind auch zutiefst enttäuscht, dass man nicht den persönlichen Kontakt mit ihnen gesucht hat, sondern sie mittels einer Pressekonferenz und Medienberichten über ihre Zwangsverpflichtung benachrichtigt wurden. Den größten Unmut löst aber die Tatsache aus, dass Gleiches nun ungleich behandelt bzw. in diesem Fall ungleich bezahlt wird. Die außerordentlichen Zivildiener erhalten monatlich mindestens € 1.676,94 netto, was aus unserer Sicht absolut gerechtfertigt ist. Es gibt keinen Anlass, warum die unfreiwillig verpflichteten Zivildiener, nur die Hälfte dieses Betrages erhalten. Diese unterschiedliche Bezahlung unter Zivildienern ist eine Verhöhnung für deren geleistete Tätigkeiten und führt zu einer Zweiklassengesellschaft.

Die Gewerkschaftsjugend ist die größte, überparteiliche Jugendorganisation in Österreich. Wir setzen uns seit unserer Gründung für alle Interessen junger Menschen ein und machen uns für ihre Anliegen stark. Neben einer guten (Berufs-)Ausbildung setzen wir ein großes Hauptaugenmerk auf die gerechte und faire Entlohnung von Arbeit. Als zuständige Ministerin fordern wir Sie daher auf, die Entlohnung der unfreiwillig verpflichteten Zivildiener auf das Niveau der außerordentlichen Zivildiener anzupassen, damit diese Ungleichbehandlung schleunigst bereinigt wird.


Mit freundlichen Grüßen

Jeremy Strobl
Stellvertretender Landesjugendvorsitzender der ÖGJ Steiermark


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