Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklärst du dich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden.

Datenschutzerklärung
ÖGJ

Ausbildungspflicht für Betriebe

"Die duale Berufsausbildung gerät durch die rückläufige Ausbildungsbereitschaft der Betriebe weiter unter Druck. Lobgesänge auf die Berufsausbildung seitens Politik und Wirtschaft verdecken das Problem, das in wenigen Jahren schwere Folgen haben kann. Schlechter ausgebildete Jugendliche, höhere Jugendarbeitslosigkeit und steigende Kosten für den Staat sind im Nachhinein schwer zu korrigieren", begründet Sascha Ernszt, der erneut als ÖGJ-Vorsitzender kandidiert, den Leitantrag, der heute vom ÖGB-Bundesjugendkongress einstimmig, bei einer Enthaltung, beschlossen wurde. Ernszt fordert eine Verpflichtung der Betriebe, Lehrplätze anzubieten.

80 Prozent der Unternehmen, die ausbilden könnten, tun es nicht. "Förderungen ändern daran nichts, wie der Übernahme-Bonus für Unternehmen zeigt", sagt Ernszt, denn: "Viele Unternehmen bilden Jugendliche nicht mehr von Anfang an aus, sondern lassen das die ersten ein bis zwei Lehrjahre den Staat übernehmen. Wenn sie dann einen Lehrling übernehmen, kassieren sie dafür auch noch 1.000 Euro." Derzeit befinden sich etwa 10.000 Jugendliche in der Überbetrieblichen Ausbildung, mehr als 50 Prozent davon in Wien und Niederösterreich. "Was zu Beginn als Auffangnetz gedacht war, ist zu einer bequemen und kostensparenden Lösung für die Unternehmen geworden", kritisiert Ernszt.

Der ÖGB-Jugendkongress fordert daher entweder eine Verpflichtung der Betriebe, betriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, oder echte Anreize, damit mehr Unternehmen wieder Lehrlinge von Anfang an selbst ausbilden. Dazu fordert die Gewerkschaftsjugend seit längerem einen Ausbildungsfonds (Fachkräftemilliarde), in den Firmen einzahlen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, und aus dem Betriebe, die qualitativ hochwertig ausbilden, Förderungen erhalten. Der Fonds soll durch ein Prozent der Jahresbruttolohnsumme durch die Unternehmen finanziert werden. Ernszt: "Wenn die Unternehmen ihrer moralischen Ausbildungspflicht nachkommen würden, dann könnte sich der Staat wirklich Geld sparen, denn dann wäre die Überbetriebliche Lehrausbildung nicht mehr notwendig."

Der 34. Bundesjugendkongress des ÖGB fordert:

  • Die längst überfällige Umsetzung der von der Österreichischen Gewerkschaftsjugend geforderten Fachkräftemilliarde.
     
  • Eine Verpflichtung der Betriebe, betriebliche Ausbildungsplätze für die Lehrausbildung zur Verfügung zu stellen, sowie die Umwälzung der Kosten für die Überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen auf die Betriebe.
     
  • Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge Unternehmen auf allen Ebenen bevorzugen, die Lehrlinge ausbilden.
     
  • Die flächendeckende Einführung von Qualitätsstandards wie z. B. Teilprüfungen in der dualen Berufsausbildung.
     
  • Den Ausbau der Berufsorientierung sowie das Aufbrechen von tradierten Rollenbildern bei der Wahl des Lehrberufs. Weiters braucht es eine Berufs- und Bildungswegorientierung, die sich an den Bedürfnissen der Jugendlichen und nicht an jenen der Wirtschaft orientiert.

Artikel weiterempfehlen