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ÖGJ-Vorsitzende Susanne Hofer mit scharfer Kritik an Medizin-Aufnahmetests

Hofer: „Eine derartige Selektion verstärkt die soziale Ungerechtigkeit und nimmt den betroffenen Kindern und Jugendlichen ihre faire Chance”

Rund 16.000 junge Menschen versuchen am Freitag, einen der nur 1.740 Studienplätze in Human- und Zahnmedizin zu ergattern. Nur für rund zehn Prozent der KandidatInnen wird der Traum vom Medizinstudium danach in Erfüllung gehen. Das ist nicht nur enttäuschend für alle, die keinen Studienplatz ergattern, sondern auch sozial ungerecht. Denn Chancengleichheit existiert – wie bei vergleichbaren Selektionen – bestenfalls auf dem Papier. 

Susanne Hofer, Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend ÖGJ, hat eine deutliche Meinung dazu: „Bildung ist in Österreich leider immer noch vererbbar und eine derartige Selektion verstärkt die soziale Ungerechtigkeit und nimmt den betroffenen Kindern und Jugendlichen ihre faire Chance.” Denn getestet wird nicht das Potenzial, sondern vor allem schulisches Wissen aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik. Und da sind eben nicht alle gleich. Das derzeitige Schulsystem wirkt in hohem Maße sozial selektiv. Insbesondere Kinder aus ArbeitnehmerInnenfamilien mit niedrigem oder mittlerem Bildungsniveau bzw. niedrigem Einkommen sind in weiterführenden Schulformen deutlich unterrepräsentiert. Für Hofer ist nicht zuletzt deshalb klar: „Wir lehnen Aufnahmetests und andere Zugangsbeschränkungen für Universitäten ab.” 

Gerne wird von verantwortlicher Stelle darauf verwiesen, dass die teuren Vorbereitungskurse keinen Effekt hätten. Dem widersprechen nicht nur die Anbieter, sondern auch der gesunde Hausverstand. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man sich vorbereitet oder nicht. „Wer das bestreitet, müsste seinen Kindern auch sagen, dass Lernen nichts bringt”, merkt Hofer an. Laut einem Kursanbieter würde rund ein Drittel aller BewerberInnen einen Vorbereitungskurs besuchen, danach aber mit 55 Prozent mehr als die Hälfte aller StudienanfängerInnen stellen. 

Der Aufnahmetest selbst kostet übrigens 110 Euro, offiziell als „Kostenbeteiligung” bezeichnet. „Alleine schon diese Kosten stellen traurigerweise für viele Menschen in Österreich eine große Hürde dar, auch wenn der Regierung vermutlich die Vorstellungskraft fehlt, dass es Menschen gibt, für die so ein Betrag sehr viel Geld ist”, stellt Susanne Hofer klar. Zusammen mit Vorbereitungskursen kommen so schnell Gesamtkosten von 1.000 Euro und mehr zusammen – viele junge Menschen sind so de facto von der Teilnahme ausgeschlossen. Damit wird deutlich, dass es keine Chancengleichheit gibt. 

„Es muss für alle möglich sein, das eigene Potenzial unabhängig von Einkommen, Beruf oder der Herkunft der Eltern zu entfalten. Am Ende bleiben sonst die Träume und Ziele von Kindern und Jugendlichen auf der Strecke und deren gewaltiges Potenzial ungenützt”, warnt die ÖGJ-Vorsitzende. „Chancengleichheit und freier Zugang zu Bildung sind für uns ein nicht verhandelbares Merkmal einer sozialen und gerechten Gesellschaft”, betont sie abschließend.

 

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