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Was bewegt die Welt?

Bedrohliche Gefühlswelten

„Gefühlte Wahrheiten“ sind neuerdings wichtiger als Fakten. Zusammengefasst werden sie im Wort postfaktisch, das nun in aller Munde ist.

Christian Resei

„Flugzeuge bringen Giftstoffe in die Atmosphäre, das sieht man an den Kondensstreifen.“ Viele Menschen glauben an sogenannte Chemtrails, obwohl sie technisch unmöglich sind. Eine Verschwörung wittern nicht nur obskure Internetfreaks, sondern auch bekannte Personen. Zur Gefahr der Chemtrails stellte die FPÖ eine Anfrage im Nationalrat.

Weltweit gibt es ähnlich seltsame Ideen und sie werden politisch ausgenutzt: „Der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen“, erklärte etwa der neue US-Präsident Donald Trump. In Österreich war die Meldung „Jeder Asylwerber bekommt ein gratis I-Phone“ populär. Ein kleiner Blick ins Netz zeigt, dass es eine wahre Flut „postfaktischer“ Nachrichten gibt. So werden Meldungen bezeichnet, die einfach erfunden sind und auf keinen bewiesenen Tatsachen beruhen. Sie sind schlicht „gefühlte Wahrheiten“.

War es vor kurzem in politischen Debatten noch tabu, ohne nachweisbare Fakten zu argumentieren, scheren sich Populisten nun nicht mehr darum. Gerne wird dabei auch die Redewendung „der Herzen“ verwendet. So gibt es in bestimmten Kreisen „einen Bundespräsidenten der Herzen“. Zwar wurde der nicht gewählt, aber das ist ein zu vernachlässigender Aspekt. Die postfaktische Gesellschaft redet nicht von dem, was passiert, sondern von dem, was sie gerne hätte.

Donald Trump – der König Amerikas

Die Welt ist unsicherer geworden. Mit Donald Trump sitzt ein Superreicher als Präsident im Weißen Haus. Mit seinen Geschäftspartnern teilt er sich die USA auf und macht es zum Unternehmen.

Franko Petri

Im Jänner 2017 wurde der Multimilliardär Donald Trump als 45. US-Präsident angelobt. Der Wahlkampf war eine einzige Hetzkampagne gegen Minderheiten. Trump, der sich gern als Retter der Benachteiligten aufspielt, lebt selbst in einem goldenen Palast, der Hunderte Millionen Dollar kostete. Mit sexistischen Parolen und Verschwörungstheorien hat er die WählerInnen auf seine Seite gebracht. Mit Trump hat der Aufstieg des Rechtspopulismus vorerst seinen Höhepunkt erreicht, denn kein anderer Machthaber zwischen der Türkei und den Philippinen ist so knapp vom Atomknopf entfernt.

Gegen das Establishment. Trump gab vor, gegen das Establishment zu kämpfen und hievt nun selber seine milliardenschweren Geschäftsfreunde, Superreiche und Familienmitglieder in entscheidende Positionen. Amerika wird zum privaten Unternehmen der Marke Trump. Mit dem Kongress und dem Obersten Gerichtshof hinter sich hat der Republikaner fast die Macht eines konstitutionellen Königs erreicht – das ist genau das, was die USA immer bekämpften. Und nun will der neue US-Präsident Mauern bauen, Illegale abschieben, die Reichen sollen noch reicher und Obamas Sozialversicherungssystem abgebaut werden – armes Amerika!

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