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Läuft`s bei dir?

Schwitzen, Hanteln heben und Muskeln aufbauen - schon ist er da der Sixpack. Ganz so einfach ist es nicht. Dennoch folgen vor allem immer mehr Frauen dem Trend hin zu mehr Muskeln und teilen ihre Erfolge auf Instagram & Co.

 

Victoria hat sich schon immer für Sport interessiert. Als sie 14 Jahre alt war, hat sie ihr Vater das erste Mal zum Laufen mitgenommen. Gemeinsam haben sie für den Zwentendorfer Donaulauf trainiert. Das hat ihre Begeisterung und die Motivation für Sport geweckt. Auch heute noch kann die 23-Jährige nicht ohne. Mit 16 hat sie sich im Fitnessstudio angemeldet, dort trainiert sie bis jetzt. Früher als sie zur Schule ging, trainierte sie unregelmäßig, je nachdem wie viel Zeit neben Hausaufgaben und lernen übrig blieb. Jetzt geht die Tullnerin fünfmal pro Woche ins Studio. Eine Mischung aus Kraft und Ausdauer ist ihr am liebsten. Eine halbe bis Stunde am Crosstrainer, Laufband oder Fahrrad, danach ein paar Gewichte heben. „Für mich ist Sport ein Ausgleich zur Arbeit und Fachhochschule. Wenn es in der Arbeit manchmal stressig ist, hilft mir der Sport, abzuschalten und den Kopf frei zu kriegen. Einfach an nichts denken“, erzählt Victoria.

Stark statt dünn. „Fitspo“ heißt der neue Körpertrend, bei dem nicht mehr magere, sondern sportliche Körper als schön gelten. Vor allem auf Instagram und Facebook spielt sich dieser Trend ab. Unter den Hashtags #Fitspo, #strongnotskinny oder #strongisthenewskinny posten junge Mädchen und Frauen Fotos von ihren Bikini-Bodys, ihrem Sixpack-Bauch oder ihrem muskulösen Po. Auch viele Vorher-Nachher-Fotos, die ihre Trainingserfolge zeigen, finden sich dort. Aber heißt fit immer gleich gesund? „Fitspo“ steht für Fitness Inspiration und bedeutet, viel zu trainieren und sich gesund zu ernähren. Es ist quasi das Gegenbild zum jahrelang als Vorbild geltenden Heroin-Chic der Magermodels. Die Anhängerinnen sehen weiblicher aus als Magermodels, deshalb glauben viele, dieses Körperbild wäre leichter zu erreichen. In Wahrheit ist es aber mit viel und regelmäßigem Training und gesunder Ernährung verbunden. „Von heute auf morgen geht das nicht“, versichert Denise, die seit mehr als zwei Jahren dem Trend folgt. „Es ist harte Arbeit, Disziplin und regelmäßiges Training.“

Hype um Instagram-Vorbilder. Auf Instagram gibt es inzwischen Profis und Vorbilder mit Tausenden Followers. „Kayla hat einen extremen Hype ausgelöst“, erzählt Victoria. „Mit ihrem Bikini-Body-Guide hat sie sich einen Namen gemacht. Ich bin zufällig auf sie und ihr Programm gestoßen. Den Hashtag #bbg (Bikini-Body-Guide) kennen mittlerweile alle.“ Kayla Itsines hat 4,5 Millionen Follower auf Twitter. Die 23-Jährige Australierin und ehemalige Personaltrainerin will Frauen zu schlanken Beinen, flachem Bauch und trainierten Armen verhelfen. Dazu hat sie ein eigenes kostenpflichtiges Trainings- und Ernährungsprogramm erstellt. Effektiv, aber hart und auch nicht unbedingt was für pure AnfängerInnen. Dabei betont sie immer, dass es nicht um die Optik geht, sondern sich in seinem eigenen Körper wohlzufühlen und stärker, selbstbewusster und glücklicher zu werden. Jen Selter schlägt in dieselbe Kerbe. Sie hat 9,5 Millionen Follower auf Instagram, ein 30-Tage-Challenge-Programm und viele Fans.

Mit Vorsicht genießen. Victoria hat gerade die 30-Tage-Challenge von Jen Selter durch. „Ich mache das hauptsächlich, weil es mir Spaß macht. Ich glaube auch nicht, dass jemand so ein Programm durchhält, wenn es keinen Spaß macht“, sagt sie. „Das Schöne ist, dass man schnell kleine Erfolge sieht. Früher konnte ich keine einzige Liegestütze. Jetzt schaffe ich schon ein paar ohne Probleme. Dafür habe ich aber auch einen Monat lang trainiert.“ Instagram motiviere zwar Sport zu machen, dennoch sollte man aufpassen. Denn man weiß nie wirklich, ob jemand, der Übungen vorzeigt, wirklich FitnessexpertIn ist oder nicht. „Das heißt, es sagt dir ja niemand, ob du die Übung richtig machst damit du dich nicht verletzt, und dass du nicht übertreiben sollst.“

Alles nur Äußerlichkeiten. Früher sah man stahlharte Körper nur auf Werbeplakaten und in Fernsehspots – zum Großteil bearbeitet, damit die Muskeln noch besser zur Geltung kommen. Durch Facebook und Instagram sind solche Fotos alltäglich geworden. Sie sind in den persönlichen Nahraum eingedrungen. Es sind nicht nur noch die Stars, sondern auch FreundInnen und Bekannte, die Fotos von ihren durchtrainierten Körpern online stellen. Davor werden sie oftmals noch schnell retuschiert. „Bilder aus dem Internet beeinflussen die Beziehung zum Körper in immer stärkerem Ausmaß“, das sagt auch die Psychologin Michaela Langer, Generalsekretärin des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen (BÖP) in einem Kurier-Interview. Vor allem Mädchen befassen sich dann mit ihren vermeintlichen Mängeln. Generell kritisieren PsychologInnen den Trend. Denn genau wie beim Mager-Wahn stehen auch hier Äußerlichkeiten im Vordergrund. Statt Spaß am Sport zu haben, trainieren junge Mädchen und Burschen dann wie besessen für einen Sixpack.

Crossfit & Co. Trainiert wird neuerdings nicht mehr ausschließlich im Fitnessstudio, sondern auch Outdoor. Mittlerweile gibt es quer durch ganz Österreich viele Outdoor-Fitnessplätze. Dort wird vor allem mit dem eigenen Körpergewicht trainiert. Klimmzugstangen, Barren, Sprossenwände, Hangelleitern, Bauchtrainer, Snakebar und Low-Bars. Aber auch Crossfit erfreut sich großem Zulauf. „Vor allem Frauen kommen immer öfter“, sagt Trainer Hansi eines Crossfit-Studios in Wien. In den Studios, die meist aussehen wie Lagerhallen, absolvieren die TeilnehmerInnen das wohl härteste Zirkeltraining der Welt. Minutenlanges Boxspringen, Kniebeugen mit Langhanteln und Situps mit Gewichten. Was nach Extremsport klingt, muss nicht unbedingt sein. Crossfit kann jeder und jede machen, unabhängig von Figur, Körpergewicht und Fitness-Level.

Spaß geht vor. Für Victoria ist Spaß am Sport ein Muss. Sie trainiert mit Begeisterung, aber immer mit Maß und Ziel. „Sonst hält man ja auch nicht durch.“ Für sie persönlich ist es wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben, das motiviert sie. Nur irgendetwas zu machen, weil es gerade im Trend liegt, ist der falsche Weg. Wichtig ist, die Sportart zu finden, die einem Spaß macht und zu einem passt. Auch gemeinsam mit einem Freund oder einer Freundin hat man oftmals mehr Lust darauf, als allein. Dann macht man es auch gerne.

Die besten Fitness-Apps
Fit sein muss nicht immer etwas kosten. hallo! hat die besten Gratis-Apps herausgesucht, mit denen du trainieren kannst, wann und wo du willst.

  • Runtastic ist unter Lauf-Fans längst keine Neuigkeit mehr. Mithilfe der App kannst du Dauer, Distanz, Geschwindigkeit, verbrauchte Kalorien etc. deiner Aktivität aufzeichnen. Zusätzlich stehen Sportsoundtracks und Powersongs zur Verfügung. Wochen- und Monatsstatistiken kannst du gleich auf Facebook teilen.
  • Freeletics ist ein intensives Trainingsprogramm, bei dem du ausschließlich mit deinem eigenen Körpergewicht trainierst. Egal ob EinsteigerIn oder bereits trainiert, die Trainings mit Videoanleitung fordern heraus, sind aber für alle geeignet. Das Angebot ist mit 700 Variationen von Workouts, Übungen und Runs groß.
  • Seven – Sieben Minuten Work-Out. Die Herausforderung lautet: Sieben Monate, sieben Minuten Workout, jeden Tag. Eine Wand, ein Stuhl und das eigene Gewicht reichen fürs Training. Damit du nicht aufgibst, hast du drei Leben.
  • Mit Sworkit kannst du Kraft- und Cardiotraining, Yoga und Stretching machen. Ein/e TrainerIn macht jede Übung vor. Das Nachmachen ist daher einfach. Die Dauer der Einheiten ist unterschiedlich.

 

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