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ÖGJ

„Einmal Gewerkschafter, immer Gewerkschafter“

Erich Foglar ist seit rund zehn Jahren Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). Beim ÖGB-Bundeskongress im Juni gibt er die Funktion ab. Im hallo! Speeddate spricht er über die Angriffe der Regierung auf ArbeitnehmerInnen, seine Zeit in der Gewerkschaft und die Zukunft. gesprochen.

Das Interview führt Barbara Kasper

"Wovor warnst du beim Regierungsprogramm?"

"Die Regierung hat ihr Programm sehr nach den Wünschen der Wirtschaft und Industriellenvereinigung ausgerichtet und kaum nach den berechtigten Forderungen der ArbeitnehmerInnen. Das ist klar erkennbar. Den generellen 12-Stunden-Arbeitstag einführen zu wollen, ist keine gute Botschaft für ArbeitnehmerInnen. Als Ausnahme kann jetzt schon zwölf Stunden gearbeitet werden, und das soll auch eine Ausnahme bleiben. Es wird sich zeigen, ob die Regierung nur das erfüllt, was sich die Industrie wünscht oder, ob sie auch ArbeitnehmerInneninteressen berücksichtigt."

"Wie kann die Lehrlingsausbildung verbessert werden?"

"Die Arbeitswelt verändert sich rasant, und daher muss die duale Ausbildung nicht nur abgesichert und erhalten, sondern auch Richtung Digitalisierung weiterentwickelt werden. Als ÖGB beschäftigen wir uns intensiv damit, welche Berufe in Zukunft in der dualen Ausbildung in Richtung Digitalisierung ausgebildet werden können. Da geht es um mehr, als darum „digitalisierungsfit“ zu sein. Es müssen alle Kenntnisse und Fertigkeiten haben, um mit digitalen Arbeitsmitteln, Methoden, Programmen und mit künstlichen Intelligenzen zurechtzukommen. Das ist eine Anforderung an die Betriebe und an die Lehrlinge."

"Was sagst du zur geplanten Abschaffung des Jugendvertrauensrats?"

"Das ist ein völlig irregeleiteter Vorschlag und unverständlich. Das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken, wie das der ÖGB und die Gewerkschaftsjugend fordern, ist positiv. Daraus abzuleiten, dass es dann keinen Jugendvertrauensrat mehr braucht – so eine Chuzpe habe ich schon lange nicht mehr als Begründung gehört."

"Der ÖGB-Kongress im Juni wird dein letzter als Präsident sein. Was war deine größte Errungenschaft?"

"Eine persönliche Errungenschaft als Präsident zu nennen, ist schwierig, weil die Gewerkschaft eine Organisation ist, die davon lebt, dass Tausende Menschen, 1,2 Millionen Mitglieder, 65.000 BetriebsrätInnen, PersonalvertreterInnen, JVRs sich gemeinsam für ein Ziel engagieren. Ich habe so viele schöne Momente von der Jugend über die Betriebsratstätigkeit oder als Gewerkschaftssekretär erlebt. Es ist das Gesamte, das immens viel Spaß und Freude gemacht hat."

"Was wird eines deiner ersten Dinge sein, die du machst, wenn du wieder mehr Zeit hast?"

"Also die Zeitbudgets und Prioritäten werden sich sehr verschieben. Mehr Zeit für die Familie, für die Enkelkinder und meine Frau. Das ist das, worauf ich mich freue, weil das in den letzten 40 Jahren manchmal etwas zu kurz gekommen ist."

"Was wirst du am meisten als ÖGB-Präsident vermissen?"

"Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Vielleicht kommt das dann nächstes oder übernächstes Jahr. Es ist schwer zu sagen, weil ich bin dann zwar nicht mehr als Präsident in der Organisation, aber als Gewerkschaftsmitglied und Funktionär, der ich im Herzen immer war, und da werde ich auch weiterhin irgendwo mitwirken. Einmal Gewerkschafter, immer Gewerkschafter."

 

 

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