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ÖGJ

Wir sind die Guten!

Mehr als 250 junge GewerkschafterInnen haben sich zum Bundes-kongress der Gewerk-schaftsjugend getroffen. Sie wollen mitbestimmen und etwas verändern.

Es ist ein Samstag Vormittag im November 2019. Im Arbeiterbezirk Favoriten in Wien traf sich die Gewerkschaftsjugend zu ihrem 36. Bundesjugendkongress unter dem Motto: „Wir sind die Guten! Laut.Mutig.Solidarisch.“ Vor den Backsteinwänden der alten Ankerbrotfabrik wehten Fahnen der Gewerkschaftsjugend im kalten Wind und lotsten die BesucherInnen zum Eingang. Die Halle füllte sich langsam, es spielte Musik, die Geräuschkulisse war laut und auch die Ehrengäste tummelten sich vor der Bühne. Allen voran ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Dass auf diesem Bundesjugendkongress mit Susanne Hofer zum ersten Mal in der Geschichte eine Frau zur Vorsitzenden der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) gewählt wurde, ließ er sich nicht entgehen.

„Der JVR bleibt! Dass ihr euer Ziel durchgesetzt habt, darauf bin ich stolz“, richtete der ÖGB-Präsident seine Grußworte an die rund 250 Delegierten des Jugendkongresses. „Ihr habt diesen Kampf mit viel Herzblut, Ausdauer und Kreativität durchgezogen. Heute wie damals geht es um Mitbestimmung, gute Ausbildungsbedingungen und darum, die Rechte junger ArbeitnehmerInnen durchzusetzen.“

Mitbestimmung. Mehr als 250 junge Menschen haben sich an diesem Vormittag in ihrer Freizeit versammelt, weil sie mitbestimmen wollen. Es ist ihnen nicht egal, wie die Arbeitswelt von morgen aussieht, es ist ihnen nicht egal, dass der Arbeitsdruck steigt und ArbeitnehmerInnen dabei auf der Strecke bleiben, es ist ihnen nicht egal, welches Klima in der Gesellschaft herrscht, und dass kleine Gruppen als Sündenböcke für Probleme herhalten müssen, weil die Politik keine Lösung findet. Sie interessieren sich für Demokratie, Mitbestimmung und wollen etwas verändern.

Gewerkschafterin zu sein, ist eine Verantwortung. Für die frisch gewählte Vorsitzende der ÖGJ, Susanne Hofer, ist in der ÖGJ zu sein, ein Gefühl. Es heißt, zu einer Gruppe zu gehören, die so stark ist, dass sie nicht ignoriert werden kann. Ein Teil einer Gruppe zu sein, wo man füreinander da ist und Freundschaften geschlossen werden. „Gewerkschafterin zu sein, ist aber auch eine große Verantwortung, denn die Jungen verlassen sich auf uns“, ist die 25-Jährige überzeugt. Was sie will und wie sie die Gewerkschaftsjugend sieht, ist klar: „Wir sind laut, wenn es um die Mitbestimmung junger Menschen im Betrieb geht, wir sind mutig mit unseren Forderungen und solidarisch, wenn es um Gleichberechtigung geht. Wir wollen ein gutes Leben für alle – weniger ist für uns nicht drin!“

850 Euro Mindestlehrlingsentschädigung. Nicht nur die Wahl der Vorsitzenden stand am Programm, auch eine Reihe an Anträgen und Forderungen an die Politik wurden beschlossen. So auch ein 10-Punkte-Programm zur Digitalisierung der Lehrausbildung. Denn nur mit digitalen Kompetenzen können sich Lehrlinge am Arbeitsmarkt der Zukunft behaupten. Gefordert werden etwa ein Digitalisierungs-Check für Berufsschulen, Internate, Lehrpersonal und AusbilderInnen, ein Pflichtfach für „Angewandte Informatik und digitale Grundausbildung“ und klare Qualitätsstandards in der Vermittlung digitaler Kompetenzen. Die Delegierten fordern außerdem mehr Qualität in der Lehre, ein klares Nein zum Modell der „Kurzlehre“ sowie eine Lehrlings-entschädigung von mindestens 850 Euro.

Fachkräftemilliarde. Nicht alle Unternehmen, die ausbilden könnten, bilden auch aus. Die ÖGJ hat mit der „Fachkräftemilliarde“ ein Modell entwickelt, wonach alle Unternehmen ein Prozent der Bruttolohnsumme einzahlen sollen. Diejenigen, die ausbilden, sollen daraus gefördert werden, die, die nicht ausbilden, würden sich so zumindest an der Finanzierung beteiligen. Aus den zur Verfügung stehenden Mitteln könnte dann neben der Lehrstellenförderung auch die überbetriebliche Lehrausbildung sowie die Weiterqualifizierung von ArbeitnehmerInnen finanziert werden. „Das wäre die Chance auf eine echte Qualitätsförderung“, so Susanne Hofer, frisch gewählte Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). Eine qualitativ hochwertige Fachkräfteausbildung braucht außerdem einen Rechtsanspruch auf Lehre mit Matura während der Arbeitszeit sowie eine kostenlose Meisterprüfung.

Leistbares Wohnen. Zwei wesentliche Themen, die die Gewerkschaftsjugend neben der Ausbildung beschäftigen, sind „Wohnen“ und „Klimaschutz“. Gerade für in Ausbildung stehende und junge ArbeitnehmerInnen ist es sehr schwer, eine eigene Existenz aufzubauen. Die Mieten sind in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegen und Wohnungen werden zunehmend zu Spekulationsobjekten. Mietobergrenzen und der Neubau geförderter Wohnungen wären richtige Schritte zur Linderung dieses Problems. Die ÖGJ fordert daher auch eine Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung oder die Einführung einer Mietobergrenze.

Auf einem toten Planeten gibt es weder Leben noch Jobs. „Klimaschutz muss bei uns allen an oberster Stelle stehen“, fordert Hofer, „denn auf einem toten Planeten gibt es weder Leben noch Jobs.“ Ein klimabewusstes Leben muss man sich aber leisten können. Die Frage nach Klimaschutz und ökologischer Nachhaltigkeit ist daher auch eine Verteilungsfrage. Die jungen GewerkschafterInnen fordern den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, ein österreichweites kostenloses Jugendticket für alle in Ausbildung, Berufe mit Zukunft, Reduktion der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich und „Ökologie und Nachhaltigkeit“ als Unterrichtsfach in allen Schulen Österreichs.

Nur im Team stark. Doch allein lasse sich so ein großes Schiff wie die ÖGJ nicht lenken. Mit Susanne Hofer wurde ein Team aus zwölf jungen GewerkschafterInnen an die Spitze der Gewerkschaftsjugend gewählt. „Wir sind ein super Team, wir haben Power und werden viel für die jungen ArbeitnehmerInnen erreichen. Ich bin mit ganzem Herzen dabei.“

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