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ÖGJ

Lehrabschluss ist keine schnelle Zusatzausbildung

Statt Matura-mit-Lehre-Experiment besser Lehrstellenförderung neu regeln

"Egal ob man es 'Expresslehre für Maturanten' oder 'Matura mit Lehre' nennt, das Ergebnis bleibt dasselbe: zu wenig Zeit, um die praktischen Seiten eines Berufs ordentlich zu lernen", sieht Sascha Ernszt, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), den von WKÖ-Präsident Christoph Leitl erneut aufgewärmten Vorschlag nach einer "Matura mit Lehre" äußerst kritisch. "Es ist verantwortungslos, den AHS-MaturantInnen einzureden, dass ein Lehrabschluss eine leicht zu holende Zusatzqualifikation ist, die man schnell neben der Matura macht." Vor allem in den technischen Berufen können mit 'Matura mit Lehre' die Qualitätsstandards nicht erreicht werden: "Ein Auto zu reparieren lernt man nicht von heute auf morgen, und das sollen nicht jene entscheiden, die das noch nie gemacht haben."

Wichtiger als Leitls Matura-mit-Lehre-Experiment wäre eine Neuregelung der Lehrstellenförderung, die auch Qualitätsstandards sicherstellt. Ernszt: "Die wirkliche Revolution wäre, wenn die Lehrausbildung laufend streng kontrolliert wird. Derzeit kann jedes Unternehmen ausbilden, wie es möchte." Die ÖGJ fordert bereits seit längerem einen Ausbildungsfonds (Fachkräftemilliarde), in den diejenigen Betriebe einzahlen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, und aus dem Betriebe, die ordentlich und qualitativ hochwertig ausbilden, Förderungen erhalten. Der Fonds soll durch ein Prozent der Jahresbruttolohnsumme durch die UnternehmerInnen finanziert werden. Zugleich will die ÖGJ die Qualitätssicherung auf neue Beine stellen. Ein wichtiger Schritt zu mehr Qualität wäre die Einführung einer verpflichtenden Teilprüfung, die auf die Lehrabschlussprüfung angerechnet wird. "Das senkt den Druck auf die Lehrlinge, die Jugendlichen wüssten, was sie können, und die Qualität der Ausbildung wäre überprüfbar."

Außerdem setzt sich die ÖGJ dafür ein, dass die "Lehre mit Matura" allen Jugendlichen offensteht. Lehrlinge und junge ArbeitnehmerInnen im Handel oder in der Gastronomie können wegen der Arbeitszeiten und Dienstpläne oft nicht an dem Modell teilnehmen. "Es muss einen Rechtsanspruch auf 'Lehre mit Matura' in der Arbeitszeit geben", fordert der ÖGJ-Vorsitzende abschließend.

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