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Lehrlingsmonitor

Kurzzusammenfassung Lehrlingsmonitor 2018/19

ERHEBUNG UND STICHPROBE

Das Österreichische Institut für Bildungsforschung hat im Auftrag von ÖGB & AK eine bundesweite Online-Befragung von Lehrlingen im letzten Lehrjahr durchgeführt. Die Befragung erfolgte in Berufsschulen im Klassenverbund im Zeitraum zwischen September 2018 und Mai 2019. Insgesamt griffen 7.455 Lehrlinge auf den Fragebogen zu (Bruttostichprobe). Nach der Bereinigung von unvollständigen Fragebögen sowie dem Ausschluss von Lehrlingen in überbetrieblicher Ausbildung (ÜBA) und Teilqualifizierung umfasst die Nettostichprobe 5.253 verwertbare Fragebögen. Das Konzept des Fragebogens lehnt sich an vergleichbare Studien in Deutschland, deren Fokus auf von den Lehrlingen erlebten unmittelbaren Ausbildungsarrangements und Rahmenbedingungen liegt, an. Das Konzept differenziert zwischen den Dimensionen Inputqualität (Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen), Prozessqualität (betriebliche Rahmenbedingungen in der Ausbildung) und Outputqualität (Ergebnisse der Ausbildung). Der Fragebogen wurde gegenüber den beiden vorigen Runden des Lehrlingsmonitors nur geringfügig modifiziert (Lachmayr & Mayerl, 2015, 2017).

ERGEBNISSE IM ZEITVERGLEICH SEHR STABIL

Im Zeitverlauf zeigt sich eine bemerkenswerte Kontinuität der Ergebnisse. Innerhalb des vierjährigen Zeitraumes lassen sich kaum Veränderungen in der Situation der Lehrlinge beobachten. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass zwar Lehrlinge im letzten Lehrjahr befragt worden sind, aber die Befragten nicht dieselben jungen Menschen waren. Die hohe Stabilität der Ergebnisse kann in zweifacher Weise gedeutet werden: (1) Strukturen und Ausbildungskulturen prägen in hohem Maße die Ausbildungserfahrungen von jungen Menschen. Bildungspolitische Innovationen, die in den letzten Jahren in der Lehrausbildung umgesetzt worden sind, wirken sich nur zeitverzögert auf die Strukturen der Ausbildung aus. (2) Die Ergebnisse weisen auf eine hohe methodische Zuverlässigkeit und Belastbarkeit des Lehrlingsmonitors hin. Es lassen sich erste Trendaussagen ableiten, wenngleich sich diese in einem kleinen Rahmen bewegen. Diese könnten jedoch ebenso auf zufällige Schwankungen bzw. kleine Stichprobeneffekte zurückzuführen sein.

MEHRHEIT KONNTE DEN EIGENEN BERUFSWUNSCH REALISIEREN

Insgesamt konnten mehr als 70 % der Lehrlinge ihren engeren Berufswunsch verwirklichen: Knapp ein Drittel (29 %) der Lehrlinge konnte nach eigenen Angaben den ursprünglichen Wunschberuf realisieren. Für weitere 42 % war der realisierte Lehrberuf einer unter mehreren Berufen, die von ihnen in Erwägung gezogen wurden. Das restliche Drittel ist in Berufen tätig, an die ursprünglich nicht gedacht wurde (18 %), die eine Notlösung (6 %) bzw. Folge des unklaren Berufswunsches waren (6 %).

(SEHR) HÄUFIG AUSBILDUNGSFREMDE TÄTIGKEITEN BEI 30 % DER LEHRLINGE

Die subjektive Kenntnis der Ausbildungsinhalte wird mit einem Mittelwert von 2,0 auf einer Schulnotenskala als Gut bezeichnet. Weniger als die Hälfte der Lehrlinge (45 %) wird ausschließlich für ausbildungsbezogene Tätigkeiten herangezogen. Etwa ein Drittel der Lehrlinge gibt jedoch an, (sehr) häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten durchführen zu müssen (30 %), der Rest gelegentlich.

BEI MEHRHEIT DER LEHRLINGE GIBT ES WEDER AUSBILDUNGSPLAN NOCH AUSBILDUNGSDOKUMENTATION

56 % der Lehrlinge liegt kein Ausbildungsplan für die betriebliche Ausbildung vor bzw. wird nicht bewusst wahrgenommen. Eine regelmäßige Ausbildungsdokumentation wird nach Wahrnehmung der Lehrlinge bei 64 % nicht durchgeführt.

MEHRHEIT DER BETRIEBE IST IM ZEITALTER DER DIGITALISIERUNG ANGEKOMMEN

58 % der befragten Lehrlinge sind der Meinung, dass für die Ausbildung technologische Geräte, Werkzeuge und Arbeitsmittel auf dem neuesten Stand genutzt werden. 71 % der Lehrlinge stimmen dem Statement zu, dass der Ausbildungsbetrieb bereits im digitalen Zeitalter angekommen ist.

EIN DRITTEL LEISTET ÜBERSTUNDEN – NICHT IMMER FREIWILLIG

Zwei Drittel der Lehrlinge leistet keine Überstunden, d. h., deren durchschnittliche Arbeitszeit übersteigt 40 Stunden pro Woche nicht. Das restliche Drittel (33 %) leistet hingegen Überstunden, teils komplett freiwillig (13 %), teils komplett unfreiwillig (7 %) sowie manchmal freiwillig, manchmal nicht freiwillig (13 %). Diese Überstunden werden in der Regel bezahlt bzw. durch Zeitausgleich abgegolten (70 %), jedoch bei jeweils weiteren 15 % nur manchmal oder gar nicht. Rund ein Fünftel arbeitet an Berufsschultagen immer bzw. manchmal. Jene Lehrlinge, die immer oder manchmal an Berufsschultagen arbeiten müssen, geben dabei mit großer Mehrheit an, dass an solchen Tagen die Gesamtzeit (Schul- und Arbeitszeit) die Grenze von acht Stunden immer bzw. manchmal überschreitet.

MEHRHEIT GEHT TROTZ KRANKHEIT ARBEITEN – AUCH WENN DADURCH KEINE PROBLEME IM BETRIEB ZU ERWARTEN WÄREN

Rund 73 % der Lehrlinge sind im Laufe der Lehrausbildung zumindest einmal zur Arbeit gegangen, obwohl sie sich krank gefühlt hatten. Die häufigsten Gründe dafür sind einerseits ein hohes Pflichtbewusstsein gegenüber KollegInnen und andererseits die Vermeidung von Problemen, die eine Krankmeldung mit sich bringt.

DREI VIERTEL VERFÜGEN ÜBER EINE SCHRIFTLICHE ARBEITSZEITAUFZEICHNUNG

77 % der Lehrlinge geben an, dass ihre Arbeitszeit in schriftlicher, digitaler oder sonstiger Form festgehalten wird. Der Rest der befragten Lehrlinge verneint dies (14 %) bzw. weiß es nicht (9 %). Einen Ausdruck bzw. Kopie erhalten aber nur 58 % der Lehrlinge, bei denen eine Arbeitsaufzeichnung geführt wird.

BETRIEBLICHE RAHMENBEDINGUNGEN WERDEN MEIST POSITIV WAHRGENOMMEN

Zustimmung von jeweils zwischen 70 und 78 % der Lehrlinge wird bei zahlreichen Items in Bezug auf qualitative Rahmenbedingungen im Betrieb geäußert: Die Lehrlinge fühlen sich im Betrieb als ArbeitskollegInnen voll akzeptiert, sie übernehmen verantwortungsvolle Aufgaben und sehen sich in größere Arbeits-/Produktionsprozesse eingebunden. Zudem werden Fehler erklärt, die Ausbildungsinhalte sind bekannt und die Arbeit macht Spaß. Bei all diesen Aussagen stimmen jeweils rund 8 bis 14 % der Lehrlinge eher oder gar nicht zu. Rund zwei Drittel der Lehrlinge können darüber hinaus den eigenen Arbeitsprozess selbstständig planen, durchführen und kontrollieren, erleben die Ausbildung als abwechslungsreich und bekommen Arbeitsvorgänge zur vollsten Zufriedenheit erklärt. Die Feedbackkultur und Mitbestimmung in der Ausbildung wird hingegen in deutlich geringerer Häufigkeit als gegeben erlebt. So geben 41 % an, dass regelmäßige Besprechungen über den Fortschritt in der Ausbildung stattfinden, 37 % hingegen verneinen dies.

SUBJEKTIV EINGESCHÄTZTE AUSBILDUNGSBEDINGUNGEN UNTERSCHEIDEN SICH NACH LEHRBERUFEN

Um die Lehrberufe mit den subjektiv von den Lehrlingen eingeschätzten Ausbildungsbedingungen vergleichen zu können, wurde ein Index Betriebliche Rahmenbedingungen erstellt. Zu den Berufen mit den besten Bewertungen zählen Industriekaufmann/-frau, Land- und Baumaschinentechniker/-in, Verwaltungsassistent/- in, Maurer/-in und Bürokaufmann/-frau. Lehrberufe mit den am schlechtesten bewerteten Ausbildungsbedingungen sind Betriebslogistikkaufmann/-frau, Speditionskaufmann/-frau, Prozesstechniker/-in, Friseur/-in und Perückenmacher/-in (Stylist/-in) und Restaurantfachmann/-frau.

MEHRHEIT HAT KEINE ODER KLEINE PROBLEME WÄHREND DER AUSBILDUNG ZU BEWÄLTIGEN

44 % der Lehrlinge im letzten Lehrjahr haben keine Probleme im Ausbildungsverlauf wahrgenommen, weitere 40 % zumindest kleinere Probleme. Große Probleme wurden von 17 % der befragten Lehrlinge genannt. Die häufigsten Probleme beziehen sich auf Konflikte mit MitarbeiterInnen oder Vorgesetzten/AusbilderInnen, das Arbeitsklima und nicht passende Arbeitsbedingungen. 44 % der Jugendlichen mit Problemen benötigten keine konkrete Hilfe von außen. Weitere 39 % fanden Hilfe (v. a. bei Eltern, AusbilderInnen, FreundInnen, Vorgesetzten) und 17 % hatten trotz Bedarf keine Hilfe gefunden. Im Verlauf der Ausbildung hat knapp die Hälfte der Lehrlinge bereits über einen Ausbildungsabbruch nachgedacht, wobei 21 % diese Überlegung sogar ernsthaft in Betracht gezogen (aber verworfen) hat.

TRANSFER ZWISCHEN BERUFSSCHULE UND LEHRBETRIEB GEGEBEN

Schulische Lerninhalte sind für das betriebliche Lernen relevant (70 % Zustimmung), betriebliche Aufgabenstellungen werden auch in der Schule behandelt (65 %). Die gemeinsame Durchführung von Projekten mit Betrieb und Schule ist hingegen eher die Ausnahme und wird von 18 % der Befragten wahrgenommen.

DISKREPANZ ZWISCHEN WICHTIGKEIT DER LEHRABSCHLUSSPRÜFUNG UND UNTERSTÜTZUNG BEI DER VORBEREITUNG

Ausbildungsbetrieben ist es laut Angaben der Lehrlinge (sehr) wichtig (91 %), dass sie am Ende der Ausbildung zur Lehrabschlussprüfung antreten. Im Kontrast dazu betonen 37 % der Lehrlinge, dass ihnen der Betrieb konkret bei der Vorbereitung zur LAP nicht hilft. 52 % geben an, nicht mit dem Ausbilder/der Ausbilderin über die Inhalte der LAP gesprochen zu haben.

41 % DER LEHRLINGE HABEN ZUSATZQUALIFIKATIONEN ERWORBEN, DIE ÜBER DIE AUSBILDUNG HINAUSGEHEN

Die von den Lehrlingen erworbenen Zusatzqualifikationen sind breit verteilt und beziehen sich sowohl auf fachliche als auch nicht fachliche Inhalte. Durchschnittlich werden etwas mehr als zwei Zusatzqualifikationen genannt. Die häufigsten Nennungen entfallen auf den Bereich Kommunikation, Konfliktlösung und Teamarbeit sowie auf technische Zusatzqualifikationen wie Produktschulungen, Zertifikate/ Berechtigungen und technische/fachliche Schulungen. Am seltensten werden Sprachkurse oder EDV-Kurse absolviert.

BERUFLICHE ZUKUNFT WIRD OPTIMISTISCH GESEHEN

74 % der Lehrlinge blicken ihrer beruflichen Zukunft zuversichtlich entgegen (10 % eher negativ). 69 % fühlen sich durch die Lehrausbildung gut auf die zukünftige Arbeit als Facharbeitskraft vorbereitet (11 % eher nicht gut vorbereitet).

DIE HÄLFTE DER LEHRLINGE GLAUBT, ÜBERNOMMEN ZU WERDEN; EIN VIERTEL WILL NICHT IM BETRIEB VERBLEIBEN

Insgesamt vermutet mehr als die Hälfte der Lehrlinge, nach Abschluss der Lehre vom Betrieb als Fachkraft übernommen zu werden (58 %), während 8 % dies dezidiert ausschließen. Rund ein Fünftel der Lehrlinge möchte von sich aus nach Abschluss nicht im Betrieb bleiben.

MEHR ALS ZWEI DRITTEL PLANEN VERBLEIB IM BERUF

Insgesamt wollen 69 % der befragten Lehrlinge nach Abschluss der Lehre im ausgewählten Lehrberuf bleiben. Die am häufigsten genannten Gründe für einen Berufswechsel beziehen sich auf eine gewünschte Neu- bzw. Umorientierung im Berufsleben. Weitere Faktoren sind ein geringes Interesse am Beruf, geringer Verdienst und negative Erfahrungen in der betrieblichen Ausbildung. Schwierige Rahmenbedingungen (Arbeitszeiten, geringe Aufstiegschancen, zu schwierige Tätigkeiten) im jeweiligen Berufsfeld werden vergleichsweise selten als Gründe genannt.

ZUFRIEDENHEIT MIT DER LEHRAUSBILDUNG INSGESAMT HOCH; ABER RUND 11 % DER BEFRAGTEN EHER UNZUFRIEDEN

Insgesamt sind 70 % der Lehrlinge mit ihrer Lehrausbildung sehr bzw. eher zufrieden. Jeder achte Lehrling (12 %) hingegen ist mit der Ausbildung (eher) nicht zufrieden. Dementsprechend würden 60 % ihren Ausbildungsbetrieb auch anderen Lehrlingen (eher) weiterempfehlen. Die hohe Zufriedenheit bestätigt auch die Angabe von 51 % der Lehrlinge, dass sowohl der Lehrberuf als auch der Lehrbetrieb wieder gewählt werden würde. 17 % würden weder Beruf noch Betrieb nochmals wählen, würden sie nochmals vor dieser Entscheidung stehen. Es fühlen sich 74 % der Lehrlinge gerade richtig in der Ausbildung gefordert, rund 15 % sehen sich unterfordert, 11 % überfordert.

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