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Lehrlingsmonitor

Forderungen

DAMIT ES UNSEREN LEHRLINGEN BESSER GEHT, FORDERN WIR:

1. BERUFSWUNSCH/-EINSTIEG

Die Mehrheit der befragten Lehrlinge konnte ihren Berufswunsch realisieren. Allerdings sind mit 31.12.2019 österreichweit 8.844 Personen in überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen und 4.909 Jugendliche5 sind beim AMS lehrstellensuchend gemeldet. Das bedeutet, dass es für viele Jugendliche dennoch schwierig ist, einen Ausbildungsplatz zu finden. Das liegt unter anderem daran, dass immer weniger Unternehmen Lehrlinge von Anfang an selbst ausbilden.

Waren es 2010 noch 35.102 Lehrlinge im ersten Lehrjahr, sind es mit Stichtag 31.12.2019 nur noch 30.785 betriebliche Lehrlinge im ersten Lehrjahr, also um mehr als 4.000 Lehrlinge weniger.

Oft ist es für Jugendliche auch nicht einfach, einen Lehrberuf zu finden, der den Interessen und Neigungen entspricht und bei dem auch die Rahmenbedingungen (örtlich, finanziell, …) im Berufsalltag passen.

Unsere Forderungen zur Lösung:

  • Ausbau der Berufsorientierung in den Pflichtschulen.
  • Berufsorientierung soll dazu genutzt werden, um traditionelle Rollenbilder in der Berufswahl aufzubrechen, und soll sich an den Neigungen und Interessen der Jugendlichen ausrichten.
  • Verpflichtende Aufklärung von Lehrlingen über ihre Rechte in der Berufsschule und/oder im Betrieb durch AK und ÖGB.
  • Errichtung eines Ausbildungsfonds (Fachkräftemilliarde), in den Unternehmen ein Prozent der Bruttolohnsumme einzahlen, und aus dem Betriebe, die qualitativ hochwertig ausbilden, Förderungen erhalten. So spart sich der Bund in den nächsten fünf Jahren 750 Millionen Euro.

5 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/827358/umfrage/lehrstellensuchende-und-offene-lehrstellen-in-oesterreich/

2. BETRIEBLICHE RAHMENBEDINGUNGEN

Der Austausch zwischen Betrieb/AusbilderIn und Lehrling findet zu selten bzw. überhaupt nicht statt. So geben knapp drei Viertel der Lehrlinge an, dass die im Ausbildungsvertrag genannten Ausbildungsverantwortlichen in der betrieblichen Ausbildungspraxis keine tragende Rolle übernehmen. Fast die Hälfte der Lehrlinge bekommt vom Betrieb keine bis wenig Unterstützung zur Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung.

Rund ein Drittel aller Lehrlinge gibt an, Überstunden zu leisten – ein Teil davon (10 %) bekommt diese Überstunden nur teilweise oder gar nicht ausbezahlt. Mehr als die Hälfte der Lehrlinge gibt an, auch berufsfremde Arbeiten, die nicht zur Ausbildung gehören, erledigen zu müssen.

Die Befragung zeigt, dass dort, wo man sich für die Ausbildung ausreichend Zeit nimmt, Lehrlinge eine wichtige Stütze für den Betrieb sein können. Werden Arbeitsprozesse durchbesprochen, Fehler analysiert und wird die Möglichkeit zum Üben geboten, haben die Jugendlichen keine Scheu davor, selbstständig komplexe Aufgaben zu erledigen. Daher müssen in den Betrieben die Feedbackkultur verbessert und individuelle Neigungen und Talente stärker berücksichtigt werden. Gerade Jugendliche brauchen Raum zur Persönlichkeitsentwicklung und sollten Erfahrungen machen, die sie motivieren, das Interesse an ihrem Beruf verstärken und sie weiter anspornen, die bestmögliche Leistung zu erbringen.

Unsere Forderungen zur Lösung:

  • In den Kollektivverträgen soll eine eigene Prämie für die Tätigkeit der AusbilderInnen geschaffen werden.
  • Verpflichtende Weiterbildung der AusbilderInnen („Train the Trainer“)
  • Verpflichtende Kompetenzchecks zur Mitte der Lehrzeit, um den Ausbildungsstand festzustellen
  • Kontinuierliche Besprechung der Ausbildungsinhalte anhand des Berufsbildes
  • Verpflichtende Ausbildungsdokumentation
  • Verbot ausbildungsfremder Tätigkeiten
  • Stärkere Kontrollen der Betriebe und stärkere Sanktionierung von verbotenen Überstunden durch die Schaffung eines unabhängigen Lehrlings- und Jugendinspektorats bzw. auch Aberkennung der Lehrberechtigung bei vielen Verstößen
  • lt. Kollektivvertrag korrekte Abrechnung der geleisteten Überstunden, Überprüfung nach den Strafbestimmungen lt. § 32 BAG, Verschärfung der Strafbestimmungen im BAG als präventive Maßnahme etc.
  • Lehrlinge und AusbilderInnen brauchen ausreichend Zeit im Betrieb für die Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung.
  • Spezielle Beratungsangebote für Firmen, die zum ersten Mal Lehrlinge ausbilden
  • Die Verlängerung der Ausbildungszeiten durch eine Teilzeitlehre (Flexi-Lehre) ist für uns nicht zielführend. Für Lehrlinge mit Kindern sollen entsprechende Kinderbetreuungsangebote geschaffen werden.

3. ÜBERGANG VON DER LEHRE ZUM/ZUR FACHARBEITERiN

Rund ein Fünftel der Lehrlinge besteht die Lehrabschlussprüfung nicht beim ersten Antritt, und rund 5 % treten erst gar nicht zu einer Lehrabschlussprüfung an. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf strukturelle Probleme in der betrieblichen Ausbildung. Aus unserer Sicht lässt sich diese Situation nur durch professionelles Qualitätsmanagement in der betrieblichen Ausbildung verbessern.

Leider ist oft die Bezahlung ein Grund, warum Jugendliche nicht in ihrem Berufsfeld bleiben. Zu einem attraktiven Lehrberuf gehört natürlich auch, als FacharbeiterIn eine anständige Bezahlung zu erhalten. Oft werden auch die Rahmenbedingungen als FacharbeiterIn als unattraktiv empfunden. Außerdem steigen die Anforderungen an die Lehrlinge. So sind Mehrsprachigkeit, sehr gute Computerkenntnisse etc. schon sehr oft Voraussetzungen für einen Arbeitsplatz nach der Lehrzeit. Diese Entwicklung sollte im Bereich der Lehrausbildung berücksichtigt werden.

Wir treten für möglichst breite Berufsbilder ein, die die LehrabsolventInnen auf dem Arbeitsmarkt erfolgreicher und – wie häufig von der Wirtschaft gefordert – auch flexibler machen. Jeder Lehrling sollte eine möglichst umfassende Ausbildung erhalten. Demgegenüber steht oft eine zunehmende Spezialisierung der Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsmaßnahmen erforderlich macht.

Unsere Forderungen zur Lösung:

  • FacharbeiterInnen-Mindestlohn von 1.700 Euro brutto sowie die Einführung einer Mindestlehrlingsentschädigung von 850 Euro in allen Kollektivverträgen
  • Moderne Lehrberufe müssen individuellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ansprüchen gerecht werden.
  • verstärkte Investitionen in die Berufsschulstandorte und Ausbau von nicht fachbezogenen Unterrichtsfächern, die die sozialen Kompetenzen der Lehrlinge erhöhen sowie die Mehrsprachigkeit der Lehrlinge fördern
  • „digi.check“ (Digitalisierungs-Check) für Berufsschulen und Internate sowie Lehrpersonal und AusbilderInnen, um die optimalen Voraussetzungen für eine innovative Ausbildung und einen digitalen Unterricht zu ermöglichen
  • klare Qualitätsstandards in der Vermittlung digitaler Kompetenzen. Werden in der Lehrlingsausbildung digitale Instrumente wie Apps, Videos etc. genutzt, so müssen allgemeingültige Qualitätsstandards erarbeitet werden. Digitales Lernen muss Teil der Arbeitszeit sein!
  • Rechtsanspruch auf Lehre mit Matura in der Arbeitszeit bzw. Anrechnung auf die Arbeitszeit

4. LEHRABSCHLUSSPRÜFUNG (LAP)

Die LAP stellt den Abschluss der Lehrzeit und somit das Ausbildungsziel dar. Eine frühere Untersuchung (Schlögl & Mayerl, 2013) hat gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit des Antritts zu einer Lehrabschlussprüfung unter anderem davon abhängig ist, wie sich die Lehrlinge am Ende ihrer Ausbildung auf die Lehrabschlussprüfung vorbereitet fühlen: Je besser der LAP-Vorbereitungsgrad, desto höher die LAP-Antrittswahrscheinlichkeit. Bemerkenswert ist dahingehend der hohe Anteil an Lehrlingen (40 %), die ihren LAP-Vorbereitungsgrad zum Zeitpunkt der Befragung noch als unzureichend einschätzten und noch weitere Vorbereitungsarbeit für die Prüfung benötigen. Jedem achten Lehrling sind die Anforderungen (noch) unbekannt.

Wir sprechen uns für verpflichtende „Kompetenzchecks“ (Teilprüfungen) mit einem Feedback an die Lehrlinge und Lehrbetriebe zum Stand der Ausbildung aus. Diese sollten im zweiten Lehrjahr durchgeführt werden und dem Lehrling dabei helfen, die erlernten Fertigkeiten nachzuweisen. Damit können die Prüfungsinhalte besser aufgeteilt werden und Fehlendes kann in der Lehrzeit nachgeholt werden.

Unsere Forderungen zur Lösung:

  • Wie bei den MaturantInnen sollen auch die Lehrlinge ihre Abschlussprüfung (LAP) kostenlos ablegen können.
  • Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind auch bei der LAP wichtig, deswegen sollen die Prüfungen in Zukunft öffentlich abgehalten werden.
  • verpflichtende „Kompetenzchecks“ (Teilprüfungen) mit einem Feedback an die Lehrlinge und Lehrbetriebe zum Stand der Ausbildung
  • Die LAP soll in vertrauter Umgebung am Berufsschulstandort stattfinden.
  • Die LAP soll zeitnah zum Berufsschulbesuch abgehalten werden.
  • pädagogisch geschulte LehrabschlussprüferInnen
  • österreichweit einheitliche Fragen und Vereinheitlichung der LAP
  • Die LAP soll in Richtung mehrerer kleinerer Prüfungen weiterentwickelt werden – bestehend aus verschiedenen Teilleistungen. In kaufmännischen Berufen könnten zum Beispiel praktische Portfolioarbeiten (in Anlehnung zur vorwissenschaftlichen Arbeit der AHS) integriert werden.
  • Die Infrastruktur für die LAP (z. B. Computer) muss modernisiert werden.

Zusammenfassend fordern wir

eine deutliche Ausweitung der Berufsorientierung, Qualitätssicherung in den Betrieben, ein Ende der unentgeltlichen Arbeit sowie Investitionen in die Berufsschulstandorte, eine kräftige Anhebung der Lehrlingsentschädigungen sowie einen höheren Mindestlohn für FacharbeiterInnen.

Diese Maßnahmen können dazu beitragen, das Image der Lehre aufzuwerten und dem von den Betrieben beklagten Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

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